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Logik für Mensch und Computer : Philosophie für Computer (zuckerfrei)

Du lieber Himmel, Herr Hegel, wie sehen Sie denn aus? Der japanische Supercomputer Fugaku macht sich geisterhaft leuchtend bereit, Dialektik zu lernen. Bild: Jiji Press

Wie Maschinen und Menschen miteinander Metaphysik treiben könnten: Die neue Logiklehre des britischen Denkers David Corfield erneuert ein für tot erklärtes Projekt der geistigen Moderne.

          9 Min.

          Die Rechner werden immer schneller. Ein Maß, mit dem ihre Leistungsfähigkeit gemessen wird, nämlich die Anzahl sogenannter Gleitkomma-Operationen (Kalkülschritte bei gewissen Größen) pro Sekunde (FLOPS), ist der Vorstellungskraft bereits davongerannt: Vor zwölf Jahren erreichte der erste Computer die Petascale-Schwelle (10 hoch 15 FLOPS), 2020 dann eroberte ein verteilter Zusammenschluss von Maschinen die Exascale-Welt (10 hoch 18 FLOPS), die auch dem japanischen Supercomputer „Fugaku“ zugänglich sein soll. Im laufenden Jahr dürfte der nächste Exaskala-Automat „Aurora“ fertig werden, ein von den Firmen Intel und Cray geschaffenes Monster.

          Dietmar Dath
          Redakteur im Feuilleton.

          Die Exaskala lässt den Verstand nicht nur quantitativ erschauern. Sie ist der Anzahl neuronaler Ereignisse im Menschenhirn kommensurabel und lässt damit qualitativ womöglich zu, dass der bislang ungedeckte Scheck des Namens „Denkmaschine“ Rücklagen bildet, die ihn einlösbar machen. Fugaku modelliert derweil schon mal das Coronavirus oder das Wetter. Wie das passiert, rutscht uns aus der Sprache; nicht nur aus der alltäglichen, sondern sogar aus der philosophischen, die schwer Greifbares sonst auf den Begriff bringt. Bald spuckt das Gerät Resultate aus, die wir nicht von Sprüchen der Pythia unterscheiden können, weil wir die Prozesse, die zu den Ergebnissen führen, nicht mehr diskutieren können. Die Geschwindigkeit wäre ohne Schrecken, wenn wir die Prinzipien verstünden, wo das aber nicht mehr der Fall ist, sind wir kognitiv abgehängt.

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