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Neue Frankfurter Altstadt : Wir haben das Haus am rechten Fleck

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Alternative für Deutschland: Was für eine seltsame Geschichte erzählt die rekonstruierte Altstadt ihren Besuchern eigentlich? Bild: Helmut Fricke

Die gefeierte neue Frankfurter Altstadt geht auf die Initiative eines Rechtsradikalen zurück. Das ist kein Zufall.

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          Die „neue Frankfurter Altstadt“, jene Ansammlung von rekonstruierten und in Stil und Kubatur alter Häuser neu errichteter Gebäude, die zurzeit dort entsteht, wo einst das brutalistische technische Rathaus stand, ist ein Lieblingsprojekt der Frankfurter Lokalpolitik geworden. Die drängendsten Probleme der Stadt, die Frage des bezahlbaren Wohnraums und einer „Stadt für alle“ löst das rekonstruierte Viertel zwar auch nicht im Ansatz – aber das will es auch gar nicht, und als touristisch vermarktbares Bild eines Altstadtidylls, durch das bald Massen an futter- und einkaufsfreudigen Touristen geschleust werden können, verspricht die neue Frankfurter Altstadt ein Erfolg zu werden. Schon deswegen streiten SPD und CDU, wem das Urheberrecht an ihr gebührt, wer sich damit brüsten darf, Erfinder des rekonstruierten Herzens der Stadt zu sein. Doch weder der einen noch der anderen Partei gebührt diese Ehre – und es gibt gute Gründe dafür, warum man in Frankfurt auch lieber nicht so genau wissen will, auf wessen Initiative das neue Renommierprojekt zurückgeht.

          Die Rekonstruktionsarchitektur entwickelt sich in Deutschland derzeit zu einem Schlüsselmedium der autoritären, völkischen, geschichtsrevisionistischen Rechten. Denn hinter gleich zwei glänzenden Architekturoberflächen neu errichteter oder noch neu zu errichtender Geschichtsbilder verbergen sich mitunter Machenschaften von Rechtsradikalen und selbst Rechtsextremisten, die mit Hilfe eines scheinbar nur-ästhetischen Diskurses zunehmend politische Terraingewinne im lokalstolzen, kulturell interessierten, aber teils eben auch politisch naiven Kulturbürgertum verbuchen können.

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