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Neue Filme mit Christiane Hörbiger : Zweifaches Sterben und ein neues Leben

  • -Aktualisiert am

Spricht mit dem Bild des Verblichenen: Christiane Hörbiger in „Stiller Abschied“ Bild: ARD

Die ARD zeigt zu Christiane Hörbigers Geburtstag zwei Filme mit ihr: Das nachdenkliche Demenzdrama „Stiller Abschied“ und das heitere Roadmovie „Zurück ins Leben“ könnten auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein.

          So viel Ehre gibt es sonst höchstens nach dem Ableben. Jedoch ist „die Grande Dame des deutschsprachigen Films“ (Volker Herres, ARD-Programmdirektor) ziemlich lebendig. Ihren fünfundsiebzigsten Geburtstag nimmt das Erste zum Anlass für ein „Christiane-Hörbiger-Festival“. Am Sonntag liefen in Wiederholung „Glücksbringer“ und das Dürrenmatt-Stück „Der Besuch der alten Dame“. Heute und am Freitag folgen mit „Stiller Abschied“ und „Zurück ins Leben“ zwei neue Filme mit Christiane Hörbiger - zwei Stücke über das Alter, seine Bürden und Freuden. Es sind zwei Filme, wie sie gegensätzlicher kaum sein könnten. Für die Schauspielerin Gelegenheit, mit der an Demenz erkrankten Geschäftsfrau Charlotte und der lebensfrohen Maria eine hübsche Bandbreite ihres Spiels zu zeigen.

          Lebenszeit und Eigensinn, sagt Alexander Kluge, sind das Einzige, was jedem Menschen auf ganz individuelle Weise gegeben ist. In beiden Filmen geht es um diese zwei und ihr Verhältnis zueinander. Im ersten Fall um das Verlöschen der Lebenszeit und des Eigensinns, im zweiten um deren Wiederbelebung.

          Glanzrolle für eine große Schauspielerin

          „Stiller Abschied“ ist ein zurückhaltend von Florian Baxmeyer nach einem Drehbuch von Thorsten Näter inszenierter Film, der die Anfangsphase einer Demenzerkrankung mit ihrem Abschied von der eigenen Persönlichkeit in den Mittelpunkt stellt. Zu Beginn sind es nur irritierende Kleinigkeiten: verlegte Gegenstände, ein vergessenes Wort, Verwechslungen, die zu peinlichen Situationen führen. Die Mama, sie wird halt etwas vergesslich. Überarbeitet ist sie. Sollte kürzertreten. Sie hat was gegen die neue Freundin des Sohnes, deswegen ist sie so unfreundlich zu ihr. Das wird wieder. In Außenperspektive sieht man diese Charlotte Brüggemann, eine unabhängige, prinzipienfeste Firmeninhaberin, zu Beginn. Eine Frau, deren Selbstbild man unhinterfragt übernimmt. Jetzt aber nimmt sie mal ein fremdes Auto, mal kommt sie in Puschen ins Büro. Vergisst Namen und Termine. Die Sekretärin hilft beim Vertuschen. Zu Hause ist die Situation der Alleinlebenden schon ins Chaos geglitten. „Post its“ an jedem Gegenstand, verrottende Pizza im Flur, stapelweise bestellte Pakete, Angebranntes auf dem Herd. Nach und nach enthüllt sich, wie viel Energie es die Witwe kostet, ihren Zustand vor den Kindern Sandra (Jeanette Hain) und Markus (Oliver Mommsen) sowie dessen Freundin Katrin (Ulrike C. Tscharre) zu verbergen.

          Was zählt, ist die Familie: Markus (Oliver Mommsen) beruhigt seine verängstigte Mutter Charlotte (Christiane Hörbiger)

          Das Herunterspielen war schon schwer, die Einsicht ist fürchterlich. In etlichen Nahaufnahmen spielt Hörbigers Gesicht mit erst konzentriertem, dann immer leerer werdendem Blick die Hauptrolle (Kamera: Klaus Eichhammer). Wut, Auflehnung, Angstzustände, Verzweiflung, am Ende eine Akzeptanz, die aus der Unabänderlichkeit geboren ist, mit Frieden aber nichts zu tun hat: Christiane Hörbiger zeigt alle diese Phasen bemerkenswert dezent und klar, ohne Euphemismen oder Rührseligkeiten. Der Blick, den sie ihren Kindern bei der Aufnahme im Krankenhaus zuwirft, als die Schwester ihr ein rotes Bändchen am Arm befestigt, ist vernichtend. Zum schauspielerischen Paradestück taugt die Abschiedsrede, die Charlotte, noch zeitweise klar, ihrer Familie hält: „Ich muss zweimal sterben.“ Emotionale Stabilität, so die Botschaft des Films, gibt nur die Familie: Geschwister, die einander wieder näherkommen, das Sich-umeinander-Kümmern.

          Die Botschaft ist schlicht, die Bilder sind beeindruckend

          „Zurück ins Leben“ - am kommenden Freitag - ist dagegen ein gediegenes Unterhaltungsstück als Screwball Comedy („Sie können manchmal wirklich nerven!“ - „Ich war früher mal Ehefrau“). Maria und Jakob leben im Heim, in einer gepflegten, aber sterbenslangweiligen Seniorenresidenz: Maria, kinderlose Diplomatenwitwe mit „latenter Hyperaktivität“ auf der Suche nach altersmäßig passender Gesellschaft, Jakob (Michael Mendl), ehemaliger Barpianist, seines schwachen Herzens wegen. Der Leiterin (Victoria Trauttmansdorff) ist Maria ein Ärgernis. Sie probt mit den Heimbewohnern den Aufstand. Bis sie beschließt, mit Jakob zum Baden nach Danzig zu fahren. Mehrere Transportmittel, Vermisstenmeldungen und Annäherungen später findet Jakob dort seinen Jugendfreund Pawel (Hans-Michael Rehberg), Jakobs nachgereister Sohn Franz (Roman Knizka) zu Pawels Tochter Angelika (Julia Cencig) und Maria einen neuen Lebensgefährten. Und ein neues Ziel: Afrika, das es, so lernt man, auch in Polen gibt.

          Das Dialogtempo ist hoch, die Atmosphäre beschwingt, die Fahrt durch Tschechien und Polen nach Danzig voller reizvoller, im deutschen Fernsehen sonst höchstens im Dokumentarfilm zu sehender Bildmotive (Regie: Nikolaus Leytner, Buch: Michael Gruber, Kamera: Hermann Dunzendorfer). Es ist nie zu spät, ein neues Leben zu wagen: Die Botschaft mag schlicht sein, durch die Hauptdarstellerin mit so viel Verve und Witz vorgetragen, wird sie gleichwohl ansehnlich.

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