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Tutanchamuns Grab : Rätselgrab

Viel Rauch um nichts: Alle kamen, alle waren gespannt, dann passierte – wenig. Bild: dpa

Groß wurden die Enthüllungen angekündigt, dann wurden die Journalisten doch vertröstet: Ägypten informiert lieber häppchenweise.

          2 Min.

          Medienwirksamer kann man eine Pressekonferenz wohl kaum inszenieren, um die „Entdeckung des 21. Jahrhunderts“ zu verkünden: das Geheimnis um die verborgenen Kammern im Grab von Tutanchamun. Der frischgekürte ägyptische Antikenminister Khaled El Anany hatte sich für das Medienereignis genau das richtige Fleckchen Erde ausgesucht – das Grabmahl des berühmten altägyptischen Herrschers im Tal der Könige selbst.

          Am Freitag tummelten sich nun die Journalisten an jenem Ort, vor dessen Eingang die Touristen Schlange standen, als Ägypten bessere Zeiten erlebte. Die Erwartung war groß, nun endlich ähnlich „wunderbare Dinge“ zu sehen wie einst der britische Archäologe Howard Carter, als er 1922 in die Vorkammer von Tutanchamuns Grab blickte. Schließlich hatten die Archäologen neue Radarbilder versprochen, die den endgültigen Beweis für die Existenz der rätselhaften Kammern liefern sollten, in denen – wie einige glauben – die verschollene Mumie der Königin Nofretete, der Stiefmutter Tutanchamuns, liegt.

          Zehn Stunden habe das amerikanisch-ägyptische Team in der Nacht zum Freitag mit den Messungen in der Grabkammer zugebracht, erklärte El Anany stolz. Die gewonnenen Daten seien vielversprechend. Doch was sie zeigen, das wollte er nicht verraten. Man würde noch eine Woche brauchen, um die neuen Radarbilder auszuwerten; vorher wolle man nichts bekanntgegeben.

          Häppchenweise Verkündung einer Jahrhundertentdeckung

          Dabei hatte sein Amtsvorgänger Mamdouh El Damaty noch Mitte März verkündet, man sei sich zu neunzig Prozent sicher, dass es unentdeckte Kammern im Grab von Tutanchamun gebe. Und jetzt? Man wolle die wissenschaftliche Glaubwürdigkeit gewährleisten und absolut sicher gehen, begründete El Alany die Zurückhaltung. Dabei bekam er Schützenhilfe vom britischen Ägyptologen Nicholas Reeves. Dieser hatte die ganze Diskussion um die verborgenen Kammern im August des vergangenen Jahres losgetreten, als er auf hochaufgelösten Fotos von den mit Malereien verzierten Grabwänden feine Linien entdeckte, die er seitdem für zugemauerte Eingänge von geheimen Nebenräumen hält, in denen Nofretete ruhen soll.

          Daraufhin beschloss man, das betreffende Mauerwerk mit einem empfindlichen Radar abzutasten. Und tatsächlich lieferten die ersten Messungen Ende November Indizien für Reeves’ These. Um sicherzugehen, entschied man sich, ein weiteres Mal – wie Donnerstag Nacht geschehen – noch genauer hinter die Mauern zu blicken. Wird man kommenden Freitag also endlich mehr über die vermeintlichen Kammern erfahren und vielleicht sogar eine Sensation zu hören bekommen? Aber warum sollte man eine Jahrhundertentdeckung auf einmal verkünden, wenn man sie auch in Häppchen anbieten kann?

          Für Ägypten dürfte die Debatte um die geheimnisvollen Grabkammern sehr gelegen kommen, hellt sie doch die eher düstere Nachrichtenlage aus dem krisengeschüttelte Land auf. So wird Tutanchamun, dessen Mumie übrigens noch immer in einem Sarkophag in der Grabkammer liegt, wahrscheinlich nicht so bald erfahren, wer eigentlich neben ihm ruht.

          Manfred Lindinger
          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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