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Brecht und Neher : Als der Bühnenbauer die Nase voll hatte

  • -Aktualisiert am

Bertolt Brecht im Mai 1948 Bild: Allstar

Eine tiefe Jugendfreundschaft verband Caspar Neher und Bertolt Brecht, die selbst durch die Mitwirkung des Bühnenbauers an der NS-Propaganda nicht bröckelte. Der Bruch kam später, wie bislang unbekannte Briefe zeigen. Ein Gastbeitrag.

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          Bertolt Brecht und Caspar Neher waren Freunde: der große Dramatiker und Theatertheoretiker und der bedeutende Bühnenbildner, der an mehr als fünfhundert Inszenierungen mitwirkte und an den meisten wichtigen Bühnen arbeitete. Ihre Persönlichkeiten waren völlig gegensätzlich, was 1952/53, als beide schon weit mehr als fünfzig Jahre alt und mehr als vierzig Jahre lang befreundet waren, zum Bruch dieser Freundschaft führte.

          Die Stadt Augsburg konnte nun für ihre Brechtsammlung sechzehn unbekannte Briefe von Caspar Neher erwerben, die Einblick in das Ende dieser Freundschaft gewähren. Sie stammen aus den Jahren 1952 bis 1959. Der Empfänger ist Rolf Badenhausen, die ehemalige „rechte Hand“ von Gustaf Gründgens, der bis 1945 Generalintendant des Preußischen Staatstheaters war. Badenhausen hatte selbst eine NS-Vergangenheit und war später, abermals unter Gründgens, stellvertretender Generalintendant des Düsseldorfer Schauspielhauses und Professor für Theaterwissenschaft an der Universität Köln.

          Neher und Brecht hatten sich am Augsburger Realgymnasium im Schuljahr 1911/12 kennengelernt und waren rasch eng befreundet. Obwohl Neher die Schule bald verließ, gehörte er weiterhin zu der Clique, die sich um den jungen, faszinierenden Schriftsteller und „Bürgerschreck“ Brecht gebildet hatte. Neher hatte im Freundeskreis von Beginn an eine Sonderstellung. Er illustrierte Brechts frühe dichterische Versuche, mit seinen Entwürfen schmückte Brecht seine Mansarde.

          Freiwillig in den Krieg

          Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges bedeutete einen tiefen Einschnitt für diese Freundschaft. Brecht drückte sich schlau vor einem Fronteinsatz und widmete sich lieber seinem Vorankommen als Dichter. Ideale oder moralische Maximen interessierten ihn schon in dieser Zeit nicht. Neher hingegen meldete sich, wie viele andere, freiwillig, war seit Mitte 1915 bis zum letzten Tag des Krieges im Einsatz und nahm an einer Vielzahl von Schlachten teil – eine Ernüchterung blieb aus. Er wurde verwundet, verschüttet, gesund gepflegt und marschierte wieder zur Front. In mehr als zwanzig Briefen forderte Brecht den Freund, nicht ohne ein gewisses eigenes Risiko, zur Fahnenflucht auf, weil er ihn vermisste.

          Eine Aufnahme des Bühnenbildners Caspar Neher mit Gottfried von Einem aus dem Jahr 1955
          Eine Aufnahme des Bühnenbildners Caspar Neher mit Gottfried von Einem aus dem Jahr 1955 : Bild: Picture-Alliance

          „Du bist (vielleicht) ein Trottel Du bist an allem schuld, was über Dich kommt während der Zeit, wo Du hier sein könntest Warum tust Du nicht alles, um loszukommen? Du hältst es nicht aus so lang Ein Jahr Frontdienst ist zu viel..., laß doch nicht alles mit Dir anfangen!“

          Brechts berühmte „Legende vom toten Soldaten“ (1917/18), in der ein verschütteter toter Soldat wieder ausgegraben, „kriegsverwendungsfähig“ erklärt und zurück an die Front geschickt wird, ist Neher als Warnung und dringender Appell gewidmet. Das nutzte aber alles nichts, Neher blieb bei der Fahne.

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