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Neue Denkmäler für die Einheit : Beruhigt euch!

Leipzigs Wahl: „70.000“ von Marc Weis und Martin de Mattia - bietet Sitzgelegenheiten zum Mitnehmen Bild: picture alliance / dpa

In Berlin und Leipzig sollen der deutschen Einheit Denkmäler gesetzt werden. Nach dem qualvollen Wettbewerb hat man sich entschieden - für eine glänzende Wippe und sehr viele bewegliche Hocker.

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          Eigentlich gibt es nicht viel Neues zu berichten von den Einheitsfreiheitsdenkmalen, die demnächst über uns kommen sollen. Das eine, für die Mitte Berlins geplant, wird zum angedrohten Termin im Herbst nicht fertig, weil ringsum Großbaustellenchaos herrscht, inklusive sogenannter berlinischer Verzögerungen.

          Regina Mönch

          Freie Autorin im Feuilleton.

          Die sündhaft teure begehbare, goldglänzende Wippe soll aber dereinst an Deutschlands einzigen erfolgreichen Volksaufstand erinnern: Revolution als schicker Kindergeburtstag mit open end. Von den dafür genehmigten fünfzehn Millionen Euro wurden nach geharnischten Protesten fünf an die Heldenstadt Leipzig abgegeben.

          Ein Schrebergarten für die Revolution?

          Dort begann am 9. Oktober 1989 schließlich das, was wenig später mit dem Zusammenbruch des Kommunismus endete. Ein weltstürzendes Ereignis also. Die Stadt Leipzig prämierte nach einem Wettbewerb drei Entwürfe, die alle „über das Format des klassischen Denkmals“ hinausgehen, wie es offiziell hieß. Auch hier Heiterkeit und „aktive Teilnahme“.

          Eine extravagante Spiegelfläche für Bürger: In Berlin hat man sich für den Entwurf von Milla & Partner und Sasha Waltz entschieden

          So darf man die 70.000 Blechhocker des Siegerentwurfes - so viele Menschen zogen damals, gesäumt von der für einen Bürgerkrieg gerüsteten Polizei, mutig über den Ring - auch mitnehmen, als postrevolutionäre Souvenirs. Platz zwei erinnert vor allem an eine riesige Torte, in die Segmente sind revolutionäre Forderungen geschrieben, jedes Jahr neue - demonstriert mal wieder, egal wofür. Platz drei errang ein „Herbstgarten“ mit Apfelbäumen. Lieblich: Revolution im Schrebergarten.

          Dann wurde in Phase zwei das Volk befragt. Es schwieg sich zumeist aus. Unter jenen, die doch eine Meinung hatten, gewann der Apfelgarten. Weil der so wenig an Denkmal (und Revolution?) erinnere. Das empört die Sieger der ersten Phase, natürlich. Doch dieser Streit wird erst im Herbst entschieden, dann beginnt Phase drei. Das Revolutionärste an dieser Wettbewerbsqual ist der Streit darum. Denn alle Entwürfe, ob für Berlin oder Leipzig, zeichnen sich aus durch sehr deutsche Pathosallergie und sehr deutliche Ereignisferne.

          Und die Leute merken das. Fällt einem bei Revolution noch Stéphane Hessels „Empört euch!“ ein, so passt, abgewandelt, zu Wippen, Blechhockern und Apfelgärten eher eine Losung wie „Beruhigt euch!“. Nur eine Erinnerung am Rande: Leipzig hat zwei schöne akzeptierte Freiheitsdenkmale (in klassischer Manier). Vor der Nikolaikirche, wo der Aufbruch in die Freiheit mit den Montagsdemonstrationen begann, steht die Nikolaisäule, unaufdringlich und eindrucksvoll. Sie wurde überwiegend aus Spenden finanziert. Genau wie die eiförmige Freiheitsglocke von Via Lewandowsky auf dem Augustusplatz. Warum kann es dabei nicht bleiben?

          Dritttplazierter Entwurf in Leipzig: „Herbstgarten“ von Anna Dilengite, Tina Bara und Alba D’Urbano

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