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Politische Aktionskunst : Ihr seid echt alle Faschisten

  • -Aktualisiert am

„Säule gegen den Verrat der Demokratie“: Die neue Aktion vom Zentrum für Politische Schönheit Bild: dpa

Eine Säule mit Totenasche ziert den Platz zwischen Reichstag und Bundeskanzleramt. Was an den Holocaust erinnern und die AfD bekämpfen soll, gerät zu einer schrägen Kunstaktion gegen den deutschen Konservatismus.

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          Wer nicht eingeweiht ist und nur zufällig vorbeikommt, versteht erstmal wenig von der neuen Aktion des „Zentrums für Politische Schönheit“ (ZPS). Eine Säule steht auf dem Platz zwischen Reichstag und Bundeskanzleramt, an jenem Ort, wo einst die Krolloper stand, die den Nationalsozialisten nach dem Reichstagsbrand als parlamentarisches Ersatzgebäude diente. Hier wurde das Ermächtigungsgesetz beschlossen. Eine Handvoll junger Leute heftet Blumen und Zettel an ein Gitter, greift in große Müllsäcke mit Unmengen von Kuscheltieren, Grablichter stehen auf dem Boden. „Tod dem Faschismus“ steht auf einem Zettel. Was sie denn hier täten? Dazu könne er nichts sagen, sagt ein junger Mann und legt einen Teddybären auf den nassen Boden.

          In der zweieinhalb Meter hohen, vier Tonnen schweren Säule soll Asche sein, Asche und Knochenkohle von Opfern der NS-Diktatur. Informationstafeln gibt es hier nirgendwo. Aus welchem Ort kommt die Asche denn? Das wisse er nicht, sagt ein Mann, der zum ZPS gehört, aber jemand aus der Pressestelle bestimmt. Fragen zur Asche könne man nicht beantworten, ist dort zu erfahren, aber der vom ZPS beauftragte Historiker Hinnerk Höfling vielleicht. Der wiederum erklärt, ihm gehe es nur um die kulturhistorische Bedeutung der Asche, woher sie komme, könne er nicht sagen. Das ZPS teilt auf seiner Website mit, an 23 Orten 248 Bodenproben genommen zu haben und darunter in 175 Fällen auf Hinweise menschlicher Überreste gestoßen zu sein. Ein Laborbericht ist auf der Internet-Seite verlinkt.

          Die Konservativen werden verhöhnt

          Dass es noch menschliche Überreste der Ermordeten aus der NS-Zeit gibt, ist sehr wahrscheinlich. Und es ist richtig, an sie zu erinnern. Noch richtiger wäre es freilich, die offenen Fragen zu beantworten. Das ZPS aber belässt es nicht bei einer Erweiterung der Erinnerungskultur. Es instrumentalisiert das Gedenken. In erster Linie zielt die Aktion gegen die AfD und gegen alle, die sie nicht explizit verurteilen. Auf einer Tafel vor der „Säule gegen den Verrat der Demokratie“ sind die Namen aller Abgeordneten der CDU und CSU aufgelistet. Sie, „die Konservativen“, die ihre Hand „schon wieder“ nach den Faschisten ausstreckten, sollen auf den Platz kommen und feierlich geloben, niemals mit der AfD oder ihrer Duldung eine Regierung zu bilden.

          Am Samstag läuft die Genehmigung für die Stele ab. Dann wollen die Künstler das Fundament in Beton gießen und zum „zivilgesellschaftlichen Zapfenstreich“ gegen die AfD antreten, um sich „mit aller Kraft der neuen Gestalt Hitler-Deutschlands und ihren konservativen Helfern“ zu widersetzen. Die ideologische Verblendung dieser selbsterklärten Widerstandskämpfer ist schwindelerregend. Wer solche sachlich falschen Verbindungen zur politischen Gegenwart konstruiert, verharmlost die NS-Zeit, verhöhnt den Konservatismus und wird am Ende die AfD stärken, anstatt sie zu besiegen.

          Hannah Bethke

          Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

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