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Neubau : Paul-Löbe-Haus an diesem Montag offiziell eingeweiht

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Das Paul-Löbe-Haus in Berlin; oben: Innenraum, unten: Ansicht von außen Bild: Linus Lintner

An diesem Montag wurde der erste von drei gigantischen Bundesbauten eröffnet: Das Paul-Löbe-Haus mit 1.000 Büros und Ausschusssälen.

          Das Paul-Löbe-Haus ist das größte und für die Öffentlichkeit zugänglichste Projekt innerhalb der Berliner Bundestags-Bauten: Heimat des Besucherdienstes, dazu Büros für ein Drittel der Abgeordeten und vor allem für die Ausschussarbeit, die nach Selbstauskunft das Herzstück der Parlamentsarbeit bildet.

          Los geht's

          Vorhang auf also für einen neuen Berliner Großbau mit insgesamt 900 Millionen Mark Baukosten. Nach dem Einzug wird das Paul-Löbe-Haus, das der Münchner Architekt Stephan Braunfels entworfen und gebaut hat, an diesem Montag offiziell eröffnet. Der zweite Teil des Gesamtkomplexes mit der Bundestagsbibliothek und dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus, mit dem das Ensemble den Spreesprung nach Osten wagt, wird ebenfalls nach Braunfels Plänen in ein bis zwei Jahren fertig sein.

          Aber die Zahlen sind schon jetzt beeindruckend. Allein das Paul-Löbe-Haus ist 102 Meter breit, 200 Meter lang; 1000 Büros, 21 Sitzungssäle, über 60.000 Kubikmeter verbauter Beton, über 33.000 Quadratmeter Nutzfläche, 570 Millionen Mark Baukosten, das ist gigantisch. Und wie steht's um die architektonische Verpackung, hier am Spreebogen, wo Architektenstars wie Norman Foster, Axel Schultes, Diener und Diener und Gustav Peichl bauten? Die Antwort gibt nach der erfolgreiche Münchner Stephan Braunfels.

          Hoch aber nicht eitel

          Baulich ein Koloss, der den Vorgaben des sogenannten „Band des Bundes“ folgen muss, wie es der Generalplaner des Spreebogens, Axel Schultes, vorgeschlagen hatte und der darin jetzt dank einer riesigen, verglasten Eingangsfront zum bleibenden Spiegel des eitlen Bundeskanzleramts wird.

          Eitel ist das neue Haus weniger, aber quengelnde Kritiker stoßen sich an der Größe, präziser an der Höhe: „Kein Haus für Menschen, sondern für Giraffen“, kanzelte es der Architekt des benachbarten parlamentarischen Kindergartens, der Wiener Gustav Peichl, ab. Tatsächlich ist die zentrale Halle, die zwischen zwei kammförmigen Büroflügeln liegt, acht Geschosse hoch; Stephan Braunfels leistet sich die Freiheit, einläufige Treppen über diese ganze Höhe hinter die Stirnseiten zu setzen.

          Die Bundestagsabgeordneten benutzen allerdings die gläsernen Expressaufzüg. 510 Büroräume für die MdBs und 450 für die Ausschusssekretariate waren unterzubringen, dazu 21 Sitzungssäle. Die hat der Architekt ganz im Gegensatz zu Bonn rund gestaltet („runder Tisch!“), zusätzlich sind sie auch noch zweigeschossig mit einer Publikumsgalerie, die das Ausschusswesen (auch das ist anders als in Bonn) nun öffentlich machen.

          Der „Achtzylinder des Bundes“

          Diese Säle sind in acht hallenhohe Tonnen eingepasst und säumen in disziplinierter Aufstellung wie Wachsoldaten die große Halle. Und durch das stetig wechselnde Tageslicht, das durch die riesige Rasterdecke einfällt, wird dieser Raum regelrecht verzaubert.

          Dieses Spiel aus Kreis, Rechteck und Licht ist es, was diesen Großraum adelt und einen Ausbau mit hölzernen Paneelen rasch als Albernheiten entlarven würde. Das ist Raumpower par excellance, wahrscheinlich eine echte Kathedrale der Deutschen Demokratie. Dass sich Befremdlichkeit einstellt, weil eben wenig Accessoires dabei sind (das Kunstkonzept ist erst im Werden; u.a. mit vier riesigen Alu-Paneelen für die Glasfront von Ellsworth Kelly,) hat mit Deja-vu und mit der den Künsten aufgeschlossenen Biografie von Stephan Braunfels zu tun.

          Tribut an Le Corbusier

          Dieser hatte schon als Sechsjähriger mit seinem Vater die Kultkapelle von Ronchamp des Altvaters Le Corbusier besucht und sofort entschieden, so etwas irgendwann einmal selbst zu bauen. Nun sei es fertig dieses zweite Ronchamp, nur erheblich größer, scherzt Braunfels. Denn tatsächlich ist das Paul-Löbe-Haus eine knackige Referenz oder gar hemmungsloser Tribut an Le Corbusier und auch Louis Kahn - zwei Heroen der modernen Architektur.

          Wenn man so will, schafft es Braunfels damit, an jene Zeiten zu erinnern, als die Moderne noch Avantgarde war und die Demokratien in Deutschland in den 20ern und dann wieder in den 50ern wunderbar jung. Das ist schon ein ganz anderes Milieu als im prätentiösen Bundeskanzleramt gegenüber und sollte deswegen Balsam für die Seele der vielen, vielen Kritiker jenes Bauwerks sein.

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