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Neubau : Eine „Bürovilla“ am Alsterufer von Richard Meier

  • -Aktualisiert am

Richard Meier: Reederei Rickmers in Hamburg Bild: artur

Richard Meier, weltberühmter Architekt aus New York, Erbauer des Getty-Centers in Los Angeles, hat ein Reederei-Domizil in Hamburg errichtet.

          2 Min.

          Wenn die Sonne scheint, spiegelt sich das Licht in der neuen Fassade am Alsterufer 26. Die strahlendweiße Aluminiumhaut des Hauses ist ein Markenzeichen des amerikanischen Architekten Richard Meier. Es scheint Helligkeit geradezu zu bündeln.

          Bei dem von Richard Meier entworfenen, soeben eingeweihten Verwaltungsgebäude der Hamburger Rickmers Reederei spielen Transparenz und Geschlossenheit des Baukörpers ineinander. Die klaren, geometrischen Elemente der außergewöhnlichen "Bürovilla" in großzügiger Uferumgebung durchdringen sich gegenseitig. Innen- und Außenraum verschmelzen, ergeben einen oszillierender Zustand, der sich nach Inneren weiter fortsetzt.

          Ein strahlend weißer Fremdkörper

          Noch bevor der erste Meier-Entwurf im Norden nach 15-monatiger Bauzeit fertig gestellt wurde, pilgerten bereits Scharen interessierter Architekturliebhaber an die Außenalster. Dabei fügt sich Richard Meiers konsequent weißes Gebäude keineswegs nahtlos in die vornehme Umgebung mit Villen des 19. Jahrhundert und 20. Jahrhunderts. Und dies, obwohl die „Farbe“ durchaus behördlichen Auflage entspricht, wie Bauherr Bertram R.C. Rickmers betont.

          Fasziniert vom Getty Center in Los Angeles, hatte er Richard Meier für seinen Firmensitz gewinnen wollen. Doch nicht nur in seiner jetzigen Umgebung fällt das Gebäude durch seine Stringenz und Modernität aus dem Rahmen. Es durchbricht in jeder Weise das hartnäckige Hamburger Bauklischee der 80er-Jahre als, Schiffsmetaphorik, Bullaugen, Flugdächer und farbige Backsteine zum Gestaltungsprinzip erhoben wurden.

          Umso bemerkenswerter ist es, dass Rickmers (die traditionsreiche Rickmers Linie, die heute vorrangig Containerschiffe unterhält, aber bereits 1834 gegründet wurde) jetzt mit Richard Meier für Hamburg ein völlig neues Zeichen setzt. Gewiss, einige maritime Nuancen birgt auch dieses ansonsten ganz und gar nicht schiffsähnliche Haus: Die großzügige Terrasse im obersten Geschoss des dreieinhalbgeschossigen Baus etwa ist mit Teakholz belegt, wie es sich beim "ordentlichen Schiffsbau" gehört. Hier fühlt man sich vorübergehend tatsächlich wie hoch über den Wellen und an Deck eines Dampfer.

          Einblicke, Ausblicke

          Eine weißbeschichtete, gläserne Wand an der Nordseite der Terrasse blendet den sogenannten "Affenfelsen", ein architektonisches Ungetüm aus den 70er-Jahren in nächster Nähe aus. Eine quadratische Öffnung in der riesigen Milch-Glasfläche fokussiert den Blick auf ein sehr viel attraktivere amerikanische Konsulatsgebäude, ebenfalls in nächster Nachbarschaft.

          Der Gang durch das Bürogebäude gleicht einem ständig Wechsel und Seh-Abenteuer: Immer wieder ergeben sich neue Perspektiven durch transparente Innenwände, gläserne Fensterflächen mit Blick auf die Alster oder ineinander verschachelte Oberlichter, durch die natürliches Licht strömt und der Himmel zu sehen ist. Die großzügige Eingangshalle im Erdgeschoss öffnet sich nach oben hin zu einer schwebenden Galerie. Weiß ist der dominierende Grundton auf allen Etagen, dazu kontrastiert dunkelgrauer Granit im Treppenhaus.

          Immerhin 70 Menschen arbeiten in dem neuen Haus der Rickmers Reederei. Dennoch herrscht nirgendwo Enge. Die partiell durch Glas abgetrennten Büroräume wirken luftig und weitläufig. Weiße Mauern gehen in transparente Flächen über, der Außenraum - Wasser, Bäume, das Alsterufer mit seiner jenseitigen Bebauung kann optisch ungehindert eindringen: ein hell durchgestaltetes Landhaus inmitten der Stadt.

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