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Neubau des Kölner Stadtarchivs : Blamagestopp!

Warum das Kölner Stadtarchiv eingestürzt ist, ist noch immer nicht geklärt. Jetzt wurde auch noch ein Baustopp über den Neubau verhängt. Eine Blamage jagt die nächste.

          Lange nichts gehört vom Kölner Archiv. Doch, der vierte Jahrestag des Einsturzes wurde am 3.März mit einer Gedenkfeier begangen. Die Auskünfte in der Sache aber beginnen nach wie vor mit denselben Worten: Immer noch nicht konnte die Ursachenforschung abgeschlossen, immer noch nicht die Schuldfrage geklärt, immer noch nicht das Besichtigungsbauwerk fertiggestellt werden, das die dafür entscheidenden Aufschlüsse bringen soll. Eine endlose Geschichte, so dass die Stadt inzwischen, bevor die Verjährungsfrist ausläuft, eine Schadenersatzklage gegen alle potentiellen Schuldigen eingereicht hat. Es geht um 1,2 Milliarden Euro.

          Das modernste und sicherste Archiv der Welt

          Seit gestern aber gibt es doch etwas Neues, und auch daraus könnte, Köln hat da, spätestens seit dem Dombau, einschlägige Erfahrungen, eine unendliche Geschichte werden: Über den Neubau des Archivs wurde ein Planungsstopp verhängt. Warum? Weil die Zukunft der Kunst- und Museumsbibliothek (KMB), die darin - wie das Rheinische Bildarchiv - auch untergebracht wird, wieder offen ist. Die Universität, der die Stadt diesen einzigartigen Bücherschatz, um Kosten zu sparen, gern überlassen würde, kann dazu noch keine Entscheidung treffen.

          Doch statt nun darüber nachzudenken, wie die KMB, in der sinnvollen Nachbarschaft des Archivs, gesichert werden kann, stellen die vier großen Ratsfraktionen den Neubau, den Standort am Eifelwall und einzelne ihrer Vertreter sogar das Selbstverständnis der Institution als Bürgerarchiv in Frage. Dabei ist die Vorentwurfsplanung des Projekts, für das ein internationaler Architektenwettbewerb durchgeführt wurde, fast abgeschlossen: Noch könnte die Eröffnung Ende 2017, zwei Jahre später als zunächst gedacht, stattfinden und so Millionenbeträge für die Zwischenlagerung von in vierzehn Asylarchiven „geparkten“ Dokumenten gespart werden. Das modernste und vor allem das sicherste Archiv der Welt sollte es, so hieß es im ersten Kölner Trotz und Überschwang, werden. Und das muss es auch, wenn die Stadt, deren fester Wiedergutmachungswille vier Jahre danach, so ein Ratsherr, „mehr Sachlichkeit“ gewichen ist, das in der Katastrophe untergegangene Vertrauen wiederherstellen will. Köln braucht keinen Planungs-, sondern einen Blamagestopp!

          Andreas Rossmann

          Redakteur im Feuilleton.

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