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Netznutzung : Digital ist anders

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Und so handelt es sich bei der Entwicklung des Prosumers eben nicht nur um die Verschmelzung beider Elemente in einer Person, sondern auch noch um deren Integration in einen einheitlichen Akt! Im vernetzten Arbeiten lassen sich die Prozesse von Nutzung und Verformung der Dinge gar nicht mehr logisch unterscheiden. Je einfacher zugänglich Informationen sind und je besser diese mit anderen Informationen vernetzt sind, desto weniger ist eine beliebige Informationseinheit stofflich isolierbar. „Guttenbergen“ wird zur vorherrschenden Form geistiger Produktion - wobei man allerdings als Autor dann auch den Anspruch auf individuelle geistige Originalität aufgeben muss. Entscheidend bleibt einzig und allein die - vermutlich zeitlich, räumlich oder situativ begrenzte - Relevanz des neuen Werkes.

Die open source Alternative

Entsprechend verhält es sich auch mit dem individuellen „Recht am Werk“. Ich bin davon überzeugt, dass es beim legitimen Kampf um die Urheberrechtsinteressen von Autoren heute nicht mehr um die Rettung des Urheberrechts gehen kann, sondern nur noch um die Sicherstellung geordneter Übergangsfristen in einer Gesellschaft, die auf Copyright letztlich verzichten wird.

Die open source community hat gezeigt, dass Alternativen zum herkömmlichen Lizenzwesen und zur Urheberrechtsabgabe unter bestimmten Voraussetzungen realisierbar sind. Diese Alternativen reichen von einer Werbefinanzierung von Software über Abgaben im Shareware-Modell bis hin zu kostenlosen Nutzungsrechten bei Verbot einer Kommerzialisierung im herkömmlichen Vermarktungsmodell.

Verdrängung durch anonyme crowds

Alle diese Modelle erlauben einen Übergang zur crowd intelligence und zu gemeinschaftlichen Produktionskonzepten, gefährden aber traditionelle Berufsgruppen immer dann, wenn die crowd zu Resultaten führt, die als Äquivalente klassisch produzierter und zu bezahlender Waren gelten können.

Dabei werden Berufsgruppen wie Journalisten und Fotografen gar nicht so sehr durch einzelne Blogger oder schreibende und fotografierende Amateure verdrängt, sondern von anonymen crowds. In gleichem Maße, in dem Artikel von Diskussionssträngen oder einzelne Texte von Kommentarlisten verdrängt werden, setzt sich die Wissensproduktion als Manifestation von crowd intelligence durch. Wer wissen will, welche Themen und Thesen gerade durch die Köpfe der Meinungsmacher gejagt werden, der analysiert Tweets und Blogs mittels moderner Monitoring-Werkzeuge.

Eine Timeline der Kaffepausendiskussion

Twitter ist ein sehr gutes Beispiel für eine Kommunikation, deren Wert nicht mehr von Individuen, von einzelnen Twitterati, definiert wird. Twitter taugt ja nicht nur als Nachrichtenmedium mit hoher Aktualität und gleichzeitig hoher Resistenz gegen Zensurversuche - Letzteres ist vor allen Dingen in autoritär verfassten Gesellschaften von unschätzbarem Wert -, sondern auch zur Analyse der daily agenda. So habe ich mir einige private Twitterlisten erstellt, auf denen jeweils nicht mehr als zwanzig bis fünfzig für mich wichtige Personen stehen. Diese Listen enthalten Personen, denen ich zum Thema der Liste eine gewisse Kompetenz zuschreibe. Mein Ziel ist es nun nicht, alle Tweets dieser Menschen zu lesen und zu kennen. Aber immer, wenn ich ein wenig Zeit habe, sehe ich mir mal kursorisch die Timeline einer solchen Liste an - und schon weiß ich, welche Themen derzeit im Zeitgespräch sind.

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