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Netznutzung : Digital ist anders

  • -Aktualisiert am

Programmierarbeit ist geistige Arbeit

Damit wir die gleichen Programmierwerkzeuge nutzen konnten, ergab ein einheitliches Betriebssystem Sinn. Damit wir den Kampf mit dem C-Prompt bestehen konnten, ergab die Durchsetzung einer standardisierten Benutzeroberfläche Sinn. Damit wir untereinander Daten austauschen konnten, ergab die Durchsetzung einheitlicher Standardanwendungsprogramme Sinn. Und so führte der Weg der Individualisierung des Computers geradewegs von Basic über MS-DOS und Microsoft Windows zu Microsoft Office und den immergleichen Powerpoint-Präsentationen und am Computer erstellten Party-Einladungen. Die marktbeherrschende Rolle Microsofts war der Vereinzelung der Personalcomputer und der Nutzung dieser Maschinen als „Rechenmaschinen“ stets adäquat.

Und die Arbeitsteilung zwischen Programmierern und Anwendern, zwischen Softwareindustrie und Anwenderschaft folgte der Logik der bürgerlichen Produktionsweise. Programmierarbeit war geistige Arbeit, Programme folglich geistiges Eigentum des Softwareanbieters.

Frühe Formulierung des Internets

Das Internet freilich funktionierte von Beginn an anders: Es war kein Arbeitsinstrument, sondern ein Kommunikationswerkzeug. Dies galt schon für den Vorläufer des heutigen Internets, das in den sechziger Jahren entwickelte militärische ARPA-Net. Im ARPA-Projekt des amerikanischen Verteidigungsministeriums wurden Computer erstmals nicht mehr als Rechenmaschinen eingesetzt - wie noch Konrad Zuses Z1 im Jahr 1938 und acht Jahre später der ENIAC -, sondern als Knoten eines Kommunikationsnetzes.

Im März 1989 übersetzte ich einen Aufsatz von Bill Gates und Nathan Myhrvold für die Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“. Unter dem programmatischen Titel „Software für den Personalcomputer“ entwarfen die beiden wichtigsten Visionäre meines damaligen Arbeitgebers ein Zukunftsbild des PC-Zeitalters. Im Abschnitt über „das Hypertext-Konzept“ formulierten beide schon früh die Logik des Internets: „Heutige Programme behandeln Dokumente als Dateien, die sich auf einer Computerdiskette befinden. Solche Dateien unterscheiden sich im Prinzip nicht wesentlich von einem Stück Papier oder gar von einer Papyrusrolle: Eine Textzeile folgt auf die andere. Dagegen stellt ein Programm für Koproduktionen mehrerer Autoren ein Dokument als komplizierte Datenstruktur dar, in der einzelne Textbrocken zu einem komplizierten Netz miteinander verflochten sind. Ein solches Dokument bezeichnet man als Hypertext.“

Der neue Berufszweig des Fährtensuchers

Freilich bezogen Gates und Myhrvold das neue Paradigma vom vernetzten Arbeiten noch auf die Struktur von Textdokumenten, die ihren sequentiellen Aufbau zu Gunsten einer dreidimensionalen Struktur überwinden. Die Übertragung dieser Idee auf das Netz selbst, das Internet, unterblieb. Dies überrascht umso mehr, als beide offenbar die eigentliche Quelle der Idee vom Hypertextsystem kannten. Schon im Jahr 1945 hatte der amerikanische Ingenieur Vannevar Bush die Idee des Internets vorgedacht.

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