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Netzaktivisten „Anonymous“ : Der Hacker Sabu hat die Seite gewechselt

  • -Aktualisiert am

Die Maske des Märtyrers Guy Fawkes ist auch zum Symbol für Hackergruppen wie Anonymous geworden, denen das FBI nun den Kampf angesagt hat Bild: AFP

Der Zugriff erfolgte am Dienstag: In Europa und den Vereinigten Staaten wurden Mitglieder der Hackergruppen Anonymous und LulzSec arretiert. Ein Überlaufer half dem FBI.

          Vor einer Woche trat der Direktor der amerikanischen Bundespolizei FBI mit einer eindringlichen Warnung an die Öffentlichkeit. Bei der RSA-Konferenz zu Cyber Security in San Francisco sagte FBI-Chef Robert Mueller, zwar bleibe die Abwehr terroristischer Anschläge die oberste Priorität für seine Behörde. Doch „in der nicht zu fernen Zukunft wird die Bedrohung im Cyberspace die Bedrohung Nummer eins für unser Land sein“.

          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Was bedeutet diese veränderte Risikoeinschätzung für die nationale Sicherheitsstrategie Amerikas, für die Politik zur inneren Sicherheit und schließlich fürs Alltagsleben in den Vereinigten Staaten? Ruft man sich in Erinnerung, wie die Vereinigten Staaten nach den Anschlägen vom 11.September 2001 reagiert haben, verheißt die neue Gefahreneinschätzung des FBI nichts Gutes. Die Regierung von George W. Bush verkündete als Reaktion auf „9/11“ ihre nationale Sicherheitsstrategie vom „präemptiven Krieg“ - und setzte sie mit dem Einmarsch im Irak vom März 2003 in die Tat um.

          Für den guten Zweck geklaut

          Den von Präsident Bush in Afghanistan und in Pakistan zögerlich begonnenen Drohnenkrieg erkor der demokratische Präsident Barack Obama zu seinem bevorzugten Instrument im Kampf gegen den Terrorismus - mit summarischen Tötungsangriffen gegen mutmaßliche Terroristen nicht nur am Hindukusch, sondern auch im Jemen, in Somalia und in anderen Weltgegenden. In den Vereinigten Staaten selbst wurde das Heimatschutzministerium geschaffen, eine aufgeblähte Sicherheitsbürokratie, die von Personenkontrollen an Flughäfen über die Durchleuchtung von Frachtcontainern an Häfen bis zur Überwachung der Landesgrenzen jede erdenkliche terroristische Gefahr vom Heimatland abwehren soll.

          Wenn nun aber die Bedrohung der nationalen Sicherheit aus dem Cyberspace bald größer sein wird als durch terroristische Angriffe, wie wird sich dann die amerikanische „Netz-Politik“ ändern? „Wir verlieren Daten, wir verlieren Geld, wir verlieren Ideen, und wir verlieren Innovationen“, hatte FBI-Direktor Mueller in San Francisco gesagt: „Gemeinsam müssen wir Wege finden, wie wir diesen Aderlass stoppen können.“ Mueller hob den globalen Kampf der Sicherheitsbehörden gegen die globale Hackergemeinde hervor: „Wir schaffen eine Struktur, in welcher ein Cyber-Agent in San Francisco in einem virtuellen Raum und in Echtzeit mit einem Agenten in Texas, einem Analytiker in Virginia und einem Forensiker in New York kooperieren kann, um einen von Osteuropa ausgehenden Hackerangriff aufzuklären.“

          Als Mueller in San Francisco sprach, wusste er selbstredend von einem seit Monaten vorbereiteten Zugriff auf das lose Hacker-Bündnis Anonymous und deren Ableger LulzSec, AntiSec und Internet Feds. Am vergangenen Dienstag schlugen die Fahnder des FBI und deren Partner in Europa zu: Zwei Briten, zwei Iren und ein Amerikaner wurden festgenommen und mithin die Führungsstruktur von Anonymous und LulzSec zerschlagen. Die Staatsanwaltschaft in New York teilte mit, dass die Ermittler in der Nacht zum Dienstag in Chicago den siebenundzwanzig Jahre alten Jeremy Hammond verhaftet und ihn mit dessen Einverständnis zu weiteren Vernehmungen nach New York überstellt hätten. Hammond und seine Komplizen sollen laut Anklageschrift die Kreditkartendaten von 60000 Kunden des privaten Geostrategie-Beraters Stratfor gestohlen und damit mehr als 700000 Dollar erbeutet haben. Den Großteil des Geldes haben die Hacker an Stiftungen und Wohltätigkeitsorganisationen überwiesen. Erst jüngst hatte die Enthüllungsplattform Wikileaks Tausende E-Mails von Stratfor veröffentlicht.

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