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Munros „Field of Light“ : Selbst ist die Glut

Plötzlich werden alle Zusammenhänge deutlich. Bild: Foto: Mark Pickthall

Der englische Maler und Beleuchtungsdesigner Bruce Munro taucht die beeindruckende Landschaft am Uluru im australischen Outback in ein monumentales Licht. Dabei geht es ihm mit seinem Werk nicht einmal um Natur.

          2 Min.

          Vieles im Werk des britischen Installationskünstlers Bruce Munro spielt sich unter freiem Himmel ab, ist aber domestizierte Natur: die englische Wiese, auf der er 2010 für „CDSea“ rund 600.000 ausgemusterte CDs zu einer enormen glitzernden Geoglyphe auslegte, der Teich in einem Botanischen Garten in Nashville, Tennessee, in dem er 2013 die Lichtstacheln seiner „Fagin’s Urchins“ reflektieren ließ – und das „Field of Light“, seine vielleicht bekannteste Installation, deren erste Version Munro 2004 in der Nähe seines Hauses in Wiltshire aufbaute.

          Ulf von Rauchhaupt
          Verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Nun ist „Field of Light“ an seinen Ursprung zurückgekehrt, ins ockerrote Outback, sparsam bewachsen mit Spinifex-Gras und staubgrünen Akazien, dafür aber in Sichtweite des außerirdischsten aller irdischen Naturdenkmäler, des Uluru, des Ayers Rock, im Zentrum Australiens. Seit einigen Wochen ist hier die Installation in ihrer bisher monumentalsten Version zugänglich und wird noch ein Jahr lang, bis Ende März 2017 zu bewundern sein: 50.000 glühende Kugeln aus mattiertem Glas auf knie- bis hüfthohen biegsamen Stengeln, von Bündeln ebenfalls leuchtenden Glasfasern wie durch Adern verbunden. Man beginnt den Besuch des 49.000 Quadratmeter großen Areals am besten auf der benachbarten Anhöhe bei einsetzender Dämmerung. Wenn das Glimmen einsetzt, schlendert man einen Pfad hinab und ist auf einmal mittendrin in dem leuchtenden Weben, während der Fels am Horizont sein eigenes Farbenspiel in der untergehenden Sonne schon beendet hat.

          Eine biografische Symbiose aus Licht und Malerei

          „Das Field of Light ist ein persönliches Symbol für die guten Dinge im Leben“ – mehr Deutung ist aus dem Künstler nicht herauszubringen. Sehr gerne aber erzählt Munro, wie hier am Uluru 1992 alles angefangen habe. Munro skizzierte und notierte. Dann fuhren er und seine Verlobte zurück nach England.

          Das Medium Licht hatte der 1959 in London geborene und in Bristol zum Maler ausgebildete Munro überhaupt erst in Australien entdeckt. Acht Jahre hatte er hier gelebt, am Ende als Beleuchtungsdesigner in Sydney gearbeitet. Mehr als acht weitere Jahre sollte es dann noch dauern bis der Maler Bruce Munro in England zu selbstleuchtenden Quellen als etwas Gestaltbarem zurückfand, ein Prozess, der ihn zur ersten Realisierung eines „Field of Light“ führte und den er mit dem Tod seines von ihm sehr geliebten Vaters im Sommer 1999 in Verbindung bringt.

          Nein, um die Natur geht es bei Bruce Munro nicht, auch nicht im Outback und im Schatten des vom Zahn der Jahrmillionen rundgeschliffenen Sandstein des Uluru. Viel eher dürfte ein anderes Thema seiner Kunst hier im Vordergrund stehen. Munro hat auch Installationen in sakralen Räumen geschaffen, insbesondere in dem der Kathedrale von Salisbury. Uluru und sein Umland sind nun von der Unesco nicht nur zum Naturerbe erhoben worden sondern aufgrund seiner mannigfachen religiösen Bedeutung für das Volk der Anangu, den hier anasässigen Ureinwohner, auch zum Weltkulturerbe.

          Wem dabei nun die erodierte Vokabel „spirituell“ einfällt, soll nicht glauben, hier gehe es um die Vermittlung irgendeiner erbaulichen Botschaft, eine Art ästhetischer Homilie. Von diesem Missverständnis ist ein Kunstwerk mit einer solchen unbezweifelbar affirmativen Grundton wie dem „Field of Light“ vielleicht besonders bedroht, zumal dann, wenn darüber in Worten oder mittels Bildmaterials aus Kameras verhandelt wird. Den Anangu geht es nicht anders, und so verbitten sie sich bei manchen der ihnen heiligen Felsformationen an den Flanken des Uluru das Fotografieren. Die mythischen Geschichten, von denen diese Strukturen im Stein berichten, so sagen sie, können nur hier vor Ort erzählt werden. Für Bruce Munros „Field of Light“ gilt vielleicht etwas Ähnliches.

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