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Nato-Gipfel in Polen : Ein Land im Waffenrausch als Vorbild für Europa

  • -Aktualisiert am

„Militär-Picknicks“ für die ganze Familie

Die den „Wolfsspuren“ („Tropem Wilczym“) gewidmeten Volksläufe finden landesweit statt. Ein Video auf dem Youtube-Kanal der genannten Stiftung, in deren Vorstand bezeichnenderweise PO- wie auch PiS-Politiker vertreten sind, zeigt, wie eine uniformierte Widerstands-Veteranin die Läufer mit patriotischen Parolen auf das Rennen einstimmt. Den anschließenden Startschuss feuert ein halbes Dutzend als „Widerständler“ Uniformierter aus alten Gewehren ab. Geschossen wird auch bei einer im nahegelegenen Park gespielten Kriegsszene, in der sich Polen und Sowjets gegenüberstehen. Letztere sind, was kaum überrascht, am Ende alle tot.

Aktionsreiche Widerstandsdramen mit entsprechender Kostümierung und heftigen Schießereien werden selbst in den kleinsten Orten inszeniert. Die Militärvereine liefern für den theatralischen Kampf gegen die sowjetischen Besatzer gerne das waffenkundige Personal, an dem in Zeiten der angeblich so großen Bedrohung durch Russland kein Mangel zu herrschen scheint. Die Kampfbegeisterung der Polen wird freilich nicht nur an Gedenktagen geschürt. Großer Beliebtheit erfreuen sich beispielsweise die „Militär-Picknicks“ für die ganze Familie, bei denen man sich an den unterschiedlichsten Waffengattungen – von Maschinengewehren bis hin zu Panzern – erbauen kann. Bei diesen spektakulär inszenierten Gefechten sind nicht mehr nur die Russen, sondern auch Wehrmachtssoldaten der Feind. Und diese werden jenseits aller historischen Fakten auch stets von ihren polnischen Gegnern besiegt.

Von der Popularität der paramilitärischen Vereine, von denen etliche als stark rechtsorientiert gelten, hatte schon die frühere Bürgerplattform-Regierung zu profitieren versucht. Ihr Verteidigungsminister Tomasz Siemoniak hatte Ende 2014 einen militärischen Bevollmächtigten ernannt, der mit den Paramilitärs deren etwaige künftige Aufgaben bei der Landesverteidigung und dem Zivilschutz erörtern sollte.

Siemoniaks Amtsnachfolger von der PiS, Antoni Macierewicz, machte diesen Schritt schon kurz nach seinem Amtsantritt rückgängig – aber nur, um vor einem Monat seine Unterschrift unter ein eigenes Konzept für eine ähnliche Zusammenarbeit mit den einheimischen Militärvereinen zu setzen. Letztere haben nun Gleichgesinnte aus anderen Nato-Ländern zu einem ersten Kongress seiner Art eingeladen, der am 2. und 3. Juni im Rahmen einer Militärschau im nordpolnischen Ostróda stattfinden wird. Dort soll das polnische Novum der Kooperation von Staat und Paramilitärs präsentiert und als Modell auch für andere europäische Länder vorgeschlagen werden. Schirmherr ist Verteidigungsminister Antoni Macierewicz.

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