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Nationalhymnen : The English are the best?

Das mitreißende Lied wurde in den zwanziger Jahren vom britischen Hausfrauenbund (Women’s Institute) als eine Art Kampfruf für das Frauenstimmrecht adaptiert und dient bei manchen Sportveranstaltungen englischen Mannschaften bereits als Nationalhymne.

Wie im Fall von „Jerusalem“ haben gelehrte Stimmen bei fast jedem Vorschlag Einspruch angemeldet. So fanden einige, der überholte imperiale Anspruch auf die Ausdehnung der Grenzen spreche gegen eine andere inoffizielle Nationalhymne, „Land of Hope and Glory“. Ein Kenner wandte jedoch ein, dass die fragwürdige Zeile, „weiter noch und weiter“, gar nicht vorkomme in der Urfassung des für die Krönung Eduards VII. geschriebenen Verses, den Edward Elgar auf Anregung des Königs einer Melodie aus seinen ersten „Pomp and Circumstance March“ anpasste.

Immer kommt das verlorene Weltreich vor

Bei dem patriotischen anglikanischen Kirchenlied „Ich gelobe dir, mein Land“ zur Melodie aus dem Jupiter-Satz von Gustav Holsts „Die Planeten“ stört die kriegerische zweite Strophe. Ein Leser aus Kent verwies auf die ebenfalls von Parry vertonte Rede Gaunts aus Shakespeares „Richard II.“ mit dem donnernden Loblied auf das gekrönte Eiland. Der ein oder andere machte sich für das Lied „There’ll always be an England“ stark, das den sentimentalen Patriotismus im Zweiten Weltkrieg verkörpert, aber auch da kommt wieder das inzwischen verlorene Weltreich vor.

Die Last Night of the Proms, idealer Ort für „patriotische Singalongs.“

Jacob Rees-Mogg, der stockkonservative Politiker, der aufgrund seiner sich dem Zeitgeist widersetzenden Vorstellungen mitunter als „der Abgeordnete für das achtzehnte Jahrhundert“ verspottet wird, erwähnte in seiner wunderbar ironischen Entgegnung auf den Gesetzesantrag von Toby Perkins das satirische Englandlied „The English, the English, the English are best“ des Revue-Duos Flanders and Swann. Rees-Moog bekannte, dass Elemente des Textes aus den frühen sechziger Jahren heutzutage Anstoß erregen dürften, konnte sich als Euroskeptiker allerdings nicht verkneifen, die Zeile zu zitieren, „und die Griechen und Italiener essen Knoblauch im Bett“.

Passend zur gespaltenen britischen Seele

Der konservative Abgeordnete bedauerte den trennenden Effekt des Ausdrucks individueller Nationalismen im Königreich und plädierte für die Beibehaltung von „God Save the Queen“. In Hinblick auf die britische Europa-Debatte brachte ein Witzbold das aus dem englischen Volkstanz hervorgegangene Kinderlied „Hokey cokey“ als Alternative ins Gespräch. Mit dem Refrain „Ein, aus, ein, aus“ passe dies zur gespaltenen britischen Seele, die sich demnächst wieder entscheiden muss zwischen einer Zukunft in Europa oder als „Kleinod, in die Silbersee gefasst“.

Rees-Mogg gehört nicht zu den Zauderern. Mit seiner Vision für ein Britannien, das in der globalen Welt agiert, nicht bloß auf der engen europäischen Sphäre, ist er eindeutig für Brexit. Das dürfte allerdings das Ende des Vereinigten Königreiches beschleunigen, womit sich die Suche nach einer eigenen englischen Nationalhymne erübrigen würde.

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