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Nationalhelden : Alexandre Dumas zieht ins Pantheon um

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Die Gebeine des Schriftstellers, dem die Weltliteratur die „Drei Musketiere“ und den „Grafen von Monte Cristo“ verdankt, verlassen Villers-Cotterêts.

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          Der Schriftsteller Alexandre Dumas der Ältere, dem die Weltliteratur die „Drei Musketiere“ und den „Grafen von Monte Cristo“ verdankt, findet in dieser Woche seine letzte Ruhestätte im Pariser Pantheon. 200 Jahre nach Dumas' Geburt hat seine Heimatstadt Villers-Cotterêts eingewilligt, dass seine sterblichen Überreste in Frankreichs Ruhmestempel überführt werden. Am Dienstag wurde der Leichnam in der 50 Kilometer nordöstlich von Paris gelegenen Kleinstadt exhumiert. Die Feierlichkeiten enden erst eine Woche später mit der Beisetzung im Pantheon. Höhepunkt ist am Samstagnachmittag eine Prozession vom Pariser Senat zum Pantheon mit einer Ansprache von Staatspräsident Jacques Chirac.

          Nur alle Jubeljahre öffnen sich die Pforten des Pantheons unter der Inschrift „Den großen Männern - das dankbare Vaterland“, um den Kreis der dort prunkvoll Beigesetzten zu erweitern. Im 20. Jahrhundert wurde insgesamt 13 Persönlichkeiten diese Anerkennung zuteil - darunter der Widerstandskämpfer Jean Moulin (1964), das Wissenschaftler-Paar Pierre und Marie Curie (1995) sowie der Schriftsteller und langjährige Kulturminister André Malraux (1996). Ursprünglich sollte das Pantheon, ein monumentaler Kuppelbau direkt neben der Sorbonne-Universität, als Kirche dienen. In der Revolutionszeit wurde es jedoch 1791 zum „Tempel“ für die Helden der Nation erklärt.

          Villers-Cottererts nimmt Abschied

          Der Stadtrat von Villers-Cotterêts gab seine Zustimmung zu der Umbettung nur nach schweren Bedenken, zumal der 1870 gestorbene Schriftsteller verfügt hatte, er wolle in seiner Heimatstadt beigesetzt werden. Mit dem Pariser Kulturministerium wurde schließlich ausgehandelt, dass nun für Villers-Cotterêts eine drei Meter hohe Bronzestatue des Dichters neu gegossen werden soll, die 1885 aufgestellt, 1942 aber von den deutschen Besatzern eingeschmolzen worden war. Außerdem wird an der bisherigen Grabstätte von Alexandre Dumas eine Tafel angebracht, die auf die Überführung seiner Gebeine ins Pantheon verweist.

          Am Donnerstag nehmen die 10.000 Einwohner von Villers-Cotterêts mit einem Umzug Abschied von Alexandre Dumas; am Freitag wird sein Sarg in seinem Schloss von Monte-Cristo, westlich von Paris, aufgebahrt. Von dort wird die Republikaner-Garde den Sarg am Samstag zum Pariser Senatsgebäude geleiten. Abends werden die Gebeine, begleitet von vier Musketieren, zum Pantheon eskortiert, wo Chirac seine Gedenkansprache hält. Am Rande des Zuges werden Dutzende Schauspieler Auszüge aus Dumas' Werken zum Besten geben. Die Zuschauer sind aufgerufen, jeweils ein Werk des Schriftstellers mitzubringen.

          Sohn eines Revolutionsgenerals

          Alexandre Dumas der Ältere (1802-1870) war der Sohn eines Revolutionsgenerals, der seinerseits von einer schwarzen Sklavin abstammte. Er verfasste mehr als 300 Romane und zahlreiche Schauspiele. Sein schriftstellerisches Talent und seine dunklen, drahtigen Haare vererbte er seinem 1824 geborenen Sohn Alexandre, der durch den Roman „Die Kameliendame“ (1848) berühmt wurde. Der jüngere Alexandre Dumas ging aus einer der zahlreichen Liebschaften seines Vaters hervor, der vorübergehenden Liaison mit der Pariserin Laure Labay.

          Vor allem die Werke des Vaters wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, so dass er zu den meistgelesenen französischen Autoren zählt. Die „Musketiere“ und der „Graf von Monte Cristo“ wurden dutzendfach verfilmt, unter anderem mit Jean Marais, Jean-Paul Belmondo, Gérard Depardieu, George Sydney und Gene Kelly. Die jüngste Verfilmung stammt von James Caviziel und datiert auf das Jahr 2002.

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