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Am Handy-Pranger : Wie schützen wir Schüler vor Sexting?

  • Aktualisiert am

Nach einer Trennung werden Nacktfotos oft zur Demütigung des Ex-Partners an Freunde und Klassenkameraden verschickt. Bild: dpa

Lehrer Günter Kannen setzt sich an seiner Schule für Aufklärung beim Thema Sexting ein. Er hofft, dass der Sache bald mehr Aufmerksamkeit zukommt. Fünf Fragen an ihn.

          Vor einigen Monaten wurde Günter Kannen, Leiter des Clemens-August-Gymnasiums Cloppenburg, Zeuge eines Pausenhofgesprächs zwischen Schülern der Oberstufe, in dem es um mit dem Smartphone versendete Nacktfotos von Schülerinnen ging. Schnell wurde ihm klar, dass dieses als Sexting bezeichnete Phänomen auch an seiner Schule weit verbreitet ist. Gemeinsam mit Kollegen anderer Schulen verfasste er deshalb einen Elternbrief, der auf die Gefahren des Sextings aufmerksam macht.

          Herr Kannen, welche Altersgruppe ist besonders vom Sexting betroffen?

          Sexting betrifft teilweise schon Zehn- bis Zwölfjährige, die größte Gruppe stellen meiner Erfahrung nach aber die Dreizehn-, Vierzehnjährigen da. Kollegen und ich haben einen Fall recherchiert und festgestellt, dass er bereits in der ganzen Stadt bekannt war und die Fotos sogar schon in Stuttgart aufgetaucht waren. Es handelte sich um eine ehemalige Schülerin, die ihrem Freund intime Fotos von sich geschickt hatte. Nach der Trennung hat er sie verbreitet.

          Seitdem Sie die Gefahr in einem Brief an die Eltern angesprochen hatten, folgte ein intensiver Austausch mit vielen Schülern. Waren darunter auch Mädchen, die Fotos von sich selbst in aufreizenden Posen verschickt haben?

          Ja, aber nur zwei. Sie haben sich geoutet, weil ihre Fotos verbreitet worden sind. Sie wurden daraufhin in ihrer Jahrgangsstufe gemobbt.

          Haben Sie die Fotos gesehen?

          Nein, das wollte ich auch nicht. Es gibt eine deutliche Grenze zwischen Erwachsenen und Jugendlichen sowie zwischen Lehrern und Schülern.

          Wissen Sie, weshalb die Schülerinnen die Fotos verschickt haben?

          Wir leben in einer Gesellschaft, in der schon sehr junge Menschen viel Zeit damit verbringen, sich zu inszenieren. Die Mädchen posieren, wie sie es beispielsweise aus Heidi Klums Modelshow kennen. Sie denken, das sei normal. Andere werden von ihrem Freund gebeten, Nacktbilder zu schicken.

          Günter Kannen

          Wie haben die Eltern auf Ihren Brief reagiert?

          Positiv, obwohl sie natürlich sehr erschrocken gewesen sind. Von Sexting hatten sie noch nie zuvor gehört. Wir leben mit Cloppenburg in einer Region von Deutschland, in der „die Welt noch in Ordnung“ ist, in der es noch ein relativ gefestigtes soziales Leben gibt und in der Religion eine wichtige Rolle spielt – und dann passiert so etwas. Wir haben das Thema Sexting in unser Präventionsprogramm aufgenommen, auch für unsere jüngeren Schüler. Zudem veranstalten wir Informationsabende für Eltern, deren Kinder in die fünfte und sechste Klasse gehen und bei denen unter anderem Vertreter der Polizei sowie Jugendschutzbeauftragte sprechen.

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