https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/nachrichten-in-sozialen-medien-unser-weltbild-ist-berechenbar-13481475.html

Nachrichten in sozialen Medien : Wie Twitter und Facebook die Wirklichkeit verzerren

  • -Aktualisiert am

Im Nachrichtenstrom: Die Algorithmen der Internetkonzerne filtern nicht unbedingt heraus, worauf es ankommt. Bild: AFP

Immer mehr Menschen beziehen Nachrichten über soziale Netzwerke. Was wird ihnen dort geboten? Beispiele zeigen, wie manipulativ die Informationen sind.

          4 Min.

          Soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter avancieren immer mehr zu Medienunternehmen. Laut einer Studie des Pew Research Center nimmt schon jeder dritte Amerikaner Nachrichten über Facebook wahr. Dessen Gründer Mark Zuckerberg sagte, er wolle Facebook zur „besten personalisierten Zeitung der Welt machen“. Aber bilden soziale Netzwerke die Realität auch immer so ab, wie sie ist?

          Im Sommer des vergangenen Jahres verfolgte die Soziologin und Bloggerin Zeynep Tufekci die Unruhen in Ferguson. Während ihre Twitter-Feeds vor Berichten überquollen, las sie auf ihrem Facebook-Profil nichts von den Protesten - obwohl sie mehrere Nachrichtenseiten „geliked“ hatte. Stattdessen zeigte ihr Facebook Videos und Einladungen zur Ice Bucket Challenge. Erst am nächsten Tag erfuhr sie auf Facebook von den Ereignissen. Der Aufruhr war wohl nicht relevant genug. Facebooks Algorithmen bestimmten autoritativ, was Tufekci zu interessieren hatte. Auch auf Twitter war die Informationslage verzerrt. Zwar poppten massenhaft Tweets über die Proteste in Ferguson auf, #Ferguson erschien jedoch nicht in „Twitter Trend“. Das Thema war offenkundig nicht „trendig“ genug.

          Die Frage ist: Wie werden die Trends bestimmt? Auf Twitter heißt es dazu: „Trends werden von einem Algorithmus ermittelt und sind standardmäßig auf Dich persönlich zugeschnitten, basierend darauf, wem Du folgst und wo Du Dich befindest. Dieser Algorithmus identifiziert eher Themen, die aktuell beliebt sind, als solche, die eine lange Zeit oder auf täglicher Basis beliebt sind.“ Angesichts der Zahl der mit „#Ferguson“ versehenen Tweets und Retweets hätte das Thema eigentlich angezeigt werden müssen (es wäre, um im Twitter-Jargon zu bleiben, „beliebt“ gewesen). Doch wenn die Quantität in dem Moment nicht mehr das Kriterium war, müssen andere Parameter eine Rolle gespielt haben. Ferguson war kein Einzelfall. Auch Occupy Wall Street schaffte es nie in die Rubrik der „Trending Topics“, obwohl es angesichts der schieren Häufigkeit der Tweets hätte der Fall sein müssen.

          Die Algorithmen sollen vor allem die Zufriedenheit erhöhen

          Tufekci nannte das „algorithmische Zensur“. Twitter und Facebook dementierten - sie machen grundsätzlich keine Angaben zu ihren Algorithmen. Im Gegensatz zu Facebook griff Twitter lange nicht auf algorithmische Filter zurück - die Tweets wurden in chronologischer Reihenfolge angezeigt, beginnend mit dem neuesten. Allein, der Filter funktioniert nicht immer. Im November des vergangenen Jahres wurde ein Link zu einem Artikel der „New York Times“ über eine Vorzugsbehandlung junger Football-Spieler durch die Polizei fälschlicherweise als Spam markiert, aus welchen Gründen auch immer. Twitter entschuldigte sich später für den Vorgang. Ein Sprecher sagte der „New York Times“, „dass der Link von einer externen Organisation versehentlich als Spam klassifiziert wurde“. Twitter erledigt die Kontrolle also gar nicht selbst, sondern hat sie outgesourct.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Elena in ihrem silbernen Honda auf dem Weg an die Front

          Ukrainische Freiwillige : Elena fährt an die Front

          Jede Woche steuert eine Ukrainerin ihr Auto, beladen mit Fleisch, Eiern und Kartoffeln, von Odessa dort hin, wo die Bomben fallen. Es ist ihre Art zu kämpfen.
          Am Immobilienmarkt ging es in den letzten Jahren stark aufwärts. Doch der Hausbau wird aufgrund knapper Ressourcen immer teurer.

          Zinsanstieg : Wende am Immobilienmarkt

          Mit dem Zinsanstieg wird das Immobiliengeschäft schwieriger. Wegen des Mangels an Arbeitskräften und Materialien werden Neubauten aktuell immer teurer. Doch große und längerfristige Krisen sind noch nicht in Sicht.
          Bringt sich als Trainer wieder ins Gespräch: Joachim Löw

          „Es gibt einige Anfragen“ : Die Comeback-Gedanken des Joachim Löw

          Paris Saint-Germain? Real Madrid? Fenerbahçe Istanbul? Der frühere deutsche Bundestrainer Joachim Löw liebäugelt mit einer Rückkehr in den Vereinsfußball. Der Weltmeister-Coach von 2014 prüft sogar schon erste Angebote.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Bildungsmarkt
          Alles rund um das Thema Bildung
          Sprachkurs
          Verbessern Sie Ihr Englisch
          Sprachkurs
          Lernen Sie Französisch