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Keith Tippett gestorben : Nach Poseidon

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Von der experimentellen Großband zur Soloperformance: Keith Tippett beim Frankfurter Jazzfestival 2012 Bild: Michael Kretzer

Er spielte bei King Crimson und schrieb für Streichquartette. Seine Bands waren Musikhochschulen, die man als promovierter Künstler verließ. Nun ist der Jazzpianist Keith Tippett gestorben.

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          Musikalische Talente besaß er reichlich. Sein größtes bestand vielleicht darin, Legierungen herzustellen, nicht nur aus unterschiedlichsten Stilen, vielmehr aus unterschiedlichen Künstlern. Wer in den Bands von Keith Tippett spielte, war kein Jazzer, kein Rocker, kein Ethno-Popper, kein Folksinger und auch kein Klassiker mehr. Er wurde zum Musiker, der sich von einem Ismus befreit hatte, um für alle Ismen offen zu sein. Im Jahr 1970 stellte Tippett in London die progressive Freejazzrock-Bigband „Centipede“ zusammen.

          Wer die mehr als fünfzig Mitglieder dieses gigantischen Musikerpools Revue passieren lässt, findet darin alles, was Rang und Namen in der gehobenen britischen Musikszene hat, die Mitglieder von Soft Machine und King Crimson, von Nucleus und Blossom Toes, viele Absolventen der London School of Music und all die Individualisten von Dudu Puwana über Robert Fripp bis Zoot Money.

          Es war eine wilde Truppe, mit Mühe zusammengehalten durch Tippett am Klavier und aufgelöst nur ein Jahr später. Aber alle, die da mitgewerkelt hatten, konnten von dieser Zeit für ihre spätere Karriere profitieren. Tippetts Bands waren Musikhochschulen, vergleichbar etwa den Bands von Miles Davis, die man stets als promovierter Künstler verließ.

          Keith Tippett, in Bristol geboren und dort auch als Pianist, Kirchenorganist, Trompeter und Hornist ausgebildet, kam Mitte der sechziger Jahre nach London, wo er ein Sextett mit dem Saxophonisten Elton Dean, dem Trompeter Mark Charig und dem Posaunisten Nick Evans gründete und seine erste freejazznahe Aufnahme einspielte.

          Seit dieser Zeit hat er mit diversen experimentellen Gruppen gearbeitet, unter anderem der Bigband Ark, den Bands der aus Südafrika stammenden Jazzmusiker Dudu Pukwana und Louis Moholo sowie dem Komponisten Howard Riley. Seit den achtziger Jahren ist er mehr in kleineren Formationen und als Solopianist aufgetreten, wobei er auch originelle Weise Jazzphrasierungen, Ethno-Elemente und freie Improvisationsformen kombinierte, etwa auf dem vom Berliner FMP-Label herausgebrachten Album „Mujician“.

          Mit der progressiven Rockband King Crimson ist er auch auf den Alben „In the Wake of Poseidon“, „Lizard“ und „Islands“ zu hören. Keith Tippett, der vielfach im Duo mit seiner Frau, der Sängerin Julie Tippetts (früher Julie Driscoll), auftrat, war zudem ein gefragter Arrangeur und Komponist. Auch als Komponist für Film- und Fernsehproduktionen sowie Soundtracks für Cartoons ist er seit den neunziger Jahren aktiv gewesen.

          Für das Bath Festival schrieb er 1996 Werke für Streichquartett und Klavier und stellte die Bigband Tapestry zusammen. Als Pädagoge an der Universität von Bristol, der Dartington International Sommer School und am Welsh College of Music and Drama war Keith Tippett bis in die jüngere Zeit erfolgreich tätig. Am Sonntag ist er im Alter von zweiundsiebzig Jahren gestorben.

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