https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/nach-konzertabsage-pressesprecherin-des-bauhaus-dessau-muss-gehen-15859319.html

Nach Kritik an Konzertabsage : Pressesprecherin des Bauhaus Dessau muss gehen

  • Aktualisiert am

Das Bauhaus Dessau Bild: dpa

Nach anhaltender Kritik an der Absage des Konzerts der Punkband Feine Sahne Fischfilet gibt es erste personelle Konsequenzen im Bauhaus Dessau. Sachsen-Anhalts Kulturminister Robra verteidigt unterdessen im ZDF die Entscheidung.

          2 Min.

          Das Bauhaus Dessau hat seine Pressesprecherin Helga Huskamp freigestellt. Dies sei zunächst eine temporäre Entscheidung, hieß es am Freitag in der Stiftung. Weitere Angaben seien aktuell nicht möglich. Zuvor hatte die „Mitteldeutsche Zeitung“ darüber berichtet. Die Stiftung hatte zuvor ein ZDF-Konzert in der Reihe „zdf@bauhaus“ mit der Band abgelehnt, nachdem rechte Gruppierungen zum Protest gegen den Auftritt aufgerufen hatten. Claudia Perren, Direktorin des Bauhaus Dessau, hat nach der anschließenden massiven Kritik kommunikative Fehler eingeräumt.

          „Wir hätten sehr viel direkter kommunizieren müssen, was die zwei Gründe für diese Absage sind“, hatte Perren im Interview mit der „Zeit“ gesagt. „Es ging in meiner Entscheidung um Rechtsradikale, das ist aber in dem Pressestatement so nicht rübergekommen. Das würde ich auch so nicht wieder machen.“ Die Absage an Feine Sahne Fischfilet war als Einknicken vor derrechten Szene kritisiert worden. Kulturschaffende und Architekten protestieren mit einem Offenen Brief gegen die Konzert-Absage.

          Es sei nicht um die Band gegangen, hatte Perren betont. Das Bauhaus habe den Rechtsextremen keine Kulisse für Proteste bieten wollen, begründete sie ihre Entscheidung. Außerdem sei ihr das Risiko einer Eskalation zu groß gewesen. Das habe für sie nichts mit ihrem Vertrauen in die Polizei zu tun, sondern mit ihrer Verantwortung gegenüber der Bauhaus-Stätte, die Unesco-Welterbe ist und dessen 100-jähriges Bestehen im kommenden Jahr gefeiert wird.

          Spannungsverhältinis von Weltkulturerbe und Kunstfreiheit?

          Sachsen-Anhalts Kulturminister Rainer Robra (CDU) hatte dagegen die Absage verteidigt. In der ZDF-Kultursendung „Aspekte“ am Freitagabend sagte er: „Weltkulturerbe steht in einem Spannungsverhältnis zur Kunstfreiheit. Wenn es zu einem Spannungsverhältnis kommt, wo ernsthaft zu sorgen ist, dass das  Bauhaus als Substanz Schaden nimmt, dann gilt die unbedingte  Verpflichtung, dann ist dies eine Abwägung der Verhältnismäßigkeit.“

          Klaus Lederer, Berliner Senator für Kultur und Europa und diesjähriger Vorsitzender des  Bauhaus-Verbundes, hielt dem entgegen, dass es in diesem Streit um  Grundwerte gehe. Pressefreiheit, Meinungsfreiheit und Kunstfreiheit  seien den Rechten verhasst, dem müsse man sich mit Zivilcourage  entgegenstellen: „Es nützt uns nicht, wenn alles, wofür das Bauhaus  steht, der politische Aufbruch, die radikale künstlerische  Avantgarde, verschwindet und wir können am Ende aber stolz sagen: die bauliche Hülle in Dessau, die haben wir erhalten.“

          Feine Sahne Fischfilet wird nun am 6. November in der Alten Brauerei in Dessau auftreten. Die Karten für das Konzert waren am Freitag in kürzester Zeit vergriffen. Die Band aus Mecklenburg-Vorpommern engagiert sich seit Jahren - vor allem auch in der ostdeutschen Provinz - gegen Fremdenfeindlichkeit. Zuletzt spielten die Musiker bei einem Konzert gegen Rechtsextremismus in Chemnitz.

          Vor einigen Jahren war die Band wegen Texten, die als Gewaltaufrufen gegen Polizisten interpretiert wurden, im Verfassungsschutzbericht von Mecklenburg-Vorpommern genannt worden. Im Verfassungsschutzbericht taucht ihr Name seit einigen Jahren nicht mehr auf.

          Weitere Themen

          Bei Drogen war Schluss

          Thomas Mann und Huxley : Bei Drogen war Schluss

          Aus Freundschaft wurde Verachtung: Mit Aldous Huxley und Thomas Mann wohnten zwei der berühmtesten Schriftsteller des zwanzigsten Jahrhunderts in enger Nachbarschaft, doch als beide wegzogen, wuchs auch die inhaltliche Distanz.

          Die Maß ist leer

          Bayerischer Rundfunk : Die Maß ist leer

          Der Oberste Rechnungshof in Bayern hat die Finanzen des Bayerischen Rundfunks geprüft. Das Fazit fällt ziemlich dramatisch aus. Es drohen Millionen-Lücken.

          Streit im MDR

          Beamtenbund klagt : Streit im MDR

          Nachdem der Rundfunkrat den Widerspruch gegen die Entscheidung über seine Besetzung ignorierte, hofft der Beamtenbund nun auf gerichtliche Unterstützung.

          Topmeldungen

          Wladimir Putin feiert mit den „Oberhäuptern“ der besetzten Gebiete die Annexion

          Annexion ukrainischer Gebiete : Düsternis, wo Putin Aufbruch will

          Die Feierstunde zu den neuen Annexionen im Kreml gerät zu einer traurigen Veranstaltung. Putins Inszenierung wird von der Mobilmachung und der militärischen Lage überschattet.
          Weiß, wo es langgehen soll: Wahlsiegerin Giorgia Meloni

          Wegen Gaspreisdeckel : Deutschland steht am Pranger

          Etliche EU-Regierungen sind irritiert über den „Doppelwumms“ aus Berlin. Darf Deutschland sich solche Ausgaben leisten?
          Der russische Präsident Putin am Freitag im Kreml bei der Zeremonie zur Annexion von vier besetzten Gebieten in der Ukraine

          Annexionen in der Ukraine : Putins Kolonialismus

          In seiner Annexionsrede wirft Putin dem Westen Kolonialismus vor. Den praktiziert er in der Ukraine aber selbst. Und die Werte der Freiheit verteidigt nicht er.
          Der österreichische Milliardär Michael Tojner im Jahr 2019 in der Varta-Produktion

          Batteriehersteller : Chaostage bei Varta

          Der Aktienkurs halbiert, der Chef demontiert, der Großaktionär trennt sich zu einem auffälligen Zeitpunkt von Aktien. Beim Batteriehersteller Varta brennt es.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.