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Mythos Ludwig II. : Die ganze Welt sucht einen König

Ein Königreich für einen solchen Phantasieweltenerbauer: Ludwig II. ist vor 125 Jahren im Starnberger See ertrunken Bild: dpa

Einträgliche Ikone: Der Mythos Ludwig II. funktioniert auch hundertfünfundzwanzig Jahre nach seinem Tod prächtig. Dem Menschen hinter dem Zerrbild kommt man schwerer auf die Spur. Eine Begehung in drei Schlössern.

          So grün der Lech. So blau der Himmel und leuchtend grün die Bergwälder. Droben das Schloss, das abgenudelte. Milliardenfach zu Tode fotografiert, abgefilmt und beschrieben. Das sogenannte Märchenschloss des sogenannten Märchenkönigs. Der vor hundertfünfundzwanzig Jahren vom Leben zum Tode kam. Aus freien Stücken oder mit Gewalt, das ist noch immer nicht bündig geklärt. Und solange das so bleibt, holt das Geschäft mit dem Mythos immer wieder neu Schwung. Denn ein Geschäft ist es immer gewesen. Schon wenige Wochen nach dem Tod von Ludwig II. strömten die Besucher in die Schlösser des Wittelsbachers. Das ist bis heute so geblieben.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Wie viel Umwegrentabilität dieser König durch seinen Bautrieb geschaffen hat, das geht auf keine Kuhhaut. Dass er im Bankrott endete, rundet die Extravaganz seines Daseins perfekt ab. Eine ganze Industrie hängt bis heute an den Fäden, die König Ludwig II. gesponnen hat. Sie generiert Millionensummen Jahr für Jahr. Hier hat einer spekuliert, aber nicht um des Geldes willen, sondern um der Schönheit und Perfektion der Kunst wegen. Als Lehrmeister für heutige Politiker taugt er nur bedingt, aber die Binse, sich abzuschauen, dass in Kultur angelegtes Geld dauerhafter ist als ein Fußballstadion, das könnte man sich schon gestatten.

          Neuschwanstein hat er als Baustelle zurückgelassen

          Mehr als zwei Millionen Besucher kamen im vergangenen Jahr in die drei Königsschlösser Neuschwanstein, Linderhof und Herrenchiemsee, davon allein 1,3 Millionen nach Neuschwanstein. Nach den europäischen Hauptsprachen werden die meisten Führungen in Mandarin, Japanisch und Russisch gebucht. Über Kopfhörer sind zwanzig Sprachen im Angebot. Die ganze Welt sucht einen König. Und glaubt, ihn in seinen gebauten Phantasiewelten, die seinen Ruf als Ikone begründen, anzutreffen.

          Wenn es Nacht wird über Neuschwanstein - dann brach die Zeit des Königs an

          Den Menschen hinter der Ikone muss man sich jedoch selbst dazuphantasieren. Versuchen wir es im Allgäu. Von den Parkplätzen mit dem Kassenpalast geht der Weg kurz und steil eineinhalb Kilometer zum Schloss hinauf, eine vielsprachige Menge im planetarischen Einheitslook der Touristen steigt dem Mythos entgegen. Eine gute halbe Stunde lang werden sie sich durch die Räume im dritten und vierten Stock schieben, mehr Zeit gibt es nicht. Dem menschenscheuen König wäre schon der Anblick der Besucherkolonnen ein Graus gewesen. Neuschwanstein hat er als Baustelle zurückgelassen, von hier haben sie ihn weggebracht, seinem Ende entgegen. Ganze hundertzweiundsiebzig Tage hat sich der Burgenromantiker hier aufgehalten, manchmal nur stundenweise. Nur fünfzehn von geplanten achtzig Räumen sind fertig.

          Paradies und Rückzugsort der Wittelsbacherprinzen

          Manfred Kempf kennt sie alle, er hat den Generalschlüssel. Der wettergegerbte Allgäuer ist seit mehr als dreißig Jahren im Dienste des Königs, das heißt natürlich eigentlich im Dienste der bayerischen Schlösser- und Seenverwaltung. Wenn der Kastellan durch die Gemächer führt, tut er das zwar routiniert, aber noch immer mit Anteilnahme. Und er hat ein Auge auf alles, was außer der Ordnung ist. Absperrkordeln rückt er gerade, Vorhänge zupft er zurecht. Als Jugendlicher sei Ludwig „viel in de Berg umanand“, sagt Herr Kempf. Man habe ihn als großzügigen, feinen Herrn gekannt, der schon einmal einem Hirtenbuben eine goldene Uhr schicken ließ, weil der ihm nicht die gewünschte Auskunft nach der Uhrzeit erteilen konnte.

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