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Muslime im Weltraum : Mit dem Koran in den Himmel

  • -Aktualisiert am

Erster Afghane im Weltall: Abdulahad Momand in seiner Wohnung bei Stuttgart Bild: Julia Zimmermann

Wie richtet man in einer sich drehenden Weltraumkapsel den Blick nach Mekka? Für muslimische Weltraumfahrer ist die Erfüllung ihrer religiösen Pflichten im Weltraum keine einfache Sache. Ein Besuch bei dem ersten afghanischen Kosmonauten Abdulahad Momand.

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          Vor zwanzig Jahren, als er von der Raumstation Mir zur Erde zurückkehrte, wurde er in seiner Heimat als nationaler Held gefeiert. Regierungsvertreter und Mudschahedin waren gleichermaßen stolz auf Abdulahad Momand, den ersten Afghanen, der ins Weltall geflogen war, und dankend nahm er das Amt des stellvertretenden Ministers für Luftfahrt und Tourismus an. Vier Jahre später hat er sein Heimatland verlassen, weil es im Bürgerkrieg versank, und dabei alles verloren. Er verzichtete damals nicht nur auf seine Karriereaussichten in der Regierung oder Wissenschaft, sondern auf alles, was er erreicht hatte.

          1992 kam er nach Deutschland, wo er sich eine neue Existenz aufgebaut hat. In dieser Zeit ist die Afghanische Republik im Bruderkrieg untergegangen, das Islamische Emirat der Taliban ist gestürzt, und auch das Afghanistan unter der Regierung von Präsident Karzai ist weder sicher noch stabil. Nach Afghanistan will Momand, der längst die deutsche Staatsbürgerschaft hat, unter diesen Umständen nicht zurück.

          Waffenstillstand für eine Weltraummission

          Wir treffen ihn an einem verregneten Samstagnachmittag bei ihm zu Hause, in einer Neubausiedlung in der Nähe von Stuttgart, wo er mit seiner Frau und seinen Kindern lebt. Sachlich und geradezu distanziert spricht Momand über seine Vergangenheit, fast so, als ob nicht von ihm, sondern von jemand anderem die Rede ist. Er war Kampfjetpilot bei der afghanischen Luftwaffe, als er 1988 ausgewählt wurde, im sowjetischen Interkosmos-Programm stellvertretend für sein Land zur Mir zu fliegen.

          Dies war noch während des sowjetischen Afghanistan-Kriegs, aber der sowjetische Rückzug aus Afghanistan war bereits beschlossen. Für die Zeit der Mission rief der damalige afghanische Präsident Najibullah einseitig einen Waffenstillstand aus, der bereits am ersten Tag nicht eingehalten wurde. Trotzdem sollte die Reise Momands ein Zeichen des Friedens und der Völkerfreundschaft an die afghanische und sowjetische Bevölkerung sein. Entsprechend ausführlich wurde sie im Ostblock in den Nachrichten verfolgt; das „Neue Deutschland“ berichtete täglich.

          Kein Weg nach Mekka

          Die meisten Erinnerungsstücke an seinen Weltraumflug ließ Momand zurück. Was zum Beispiel aus seinem Raumanzug geworden ist, weiß er nicht. Außer seinen Erinnerungen ist ihm nicht viel geblieben: Fotos und sein Koran, den er auch mit auf die Mir genommen hatte. Sorgfältig wickelt er die grün gebundene Dünndruckausgabe aus dem gelben Seidenumschlag und schlägt behutsam die letzte Seite auf. Auf ihr prangen zwei sowjetische Stempel. Momand stellt sachlich fest, dass sie eigentlich auf der ersten Seite sein sollten, aber für die sowjetische Raumfahrtbehörde war sein Koran einfach nur ein Buch, weshalb es für sie unwichtig war, dass arabische Bücher von rechts nach links gelesen werden.

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