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Muslime im Weltraum : Mit dem Koran in den Himmel

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Während er ruhig über seine Erinnerungen spricht, wirbelt sein dreijähriger Sohn über die Couchgarnitur im Wohnzimmer. Seine Frau bereitet in der Küche das Abendessen, und wir schauen uns Momands Erinnerungsfotos an. Momand lächelt und zeigt auf ein Bild, auf dem er mit seine beiden Crewkameraden vor dem Besteigen des Sojus-Raumschiffs zu sehen ist. „Bei diesem Bild fragten mich die Leute nachher, warum ich nicht gewinkt habe. Aber wie hätte ich winken sollen? In der einen Hand hielt ich das Gerät zur Temperaturregulierung und in der anderen den Koran.“

Vom Weltall auf den Mond blicken

Für die Wissenschaft in Afghanistan hatte Momands Weltraummission große Bedeutung, mit seinen Fotos sollte ein detaillierter Atlas von Afghanistan geschaffen werden. Zu diesem Zweck hat die Akademie der Wissenschaften das Institut für Luft- und Raumfahrt in Kabul gegründet, dessen Gründungsdirektor Momand gewesen ist. Auch andere muslimische Raumfahrer haben während ihrer Weltraummissionen Aufnahmen ihrer jeweiligen Heimatstaaten gemacht, die auf Bodenschätze, Wasser- und Ölvorkommen hinwiesen. Daneben gab es islamisch motivierte Aufgabenstellungen. Beispielsweise ist es nach islamischem Recht für die Ermittlung des Anfangs oder des Endes eines islamischen Monats notwendig, dass ein Muslim den Neumond mit den Augen wahrnimmt.

Das ist vor allem für den islamischen Fastenmonat Ramadan wichtig, weshalb muslimische Hobbyastronomen auf der ganzen Welt den Mond beobachten. Bei der Weltraummission von Prinz Sultan bin Salman Al Saud traf es sich, dass der Ramadan während seiner Mission endete. Durch die Fenster der Raumfähre hatte Prinz Sultan einen unverstellten Blick auf den Mond. Er sichtete und fotografierte den Neumond, der das Ende des Fastens ankündigte, das er mit seinen Crewkameraden beging. Zur Feier des Tages verteilte er Datteln aus Medina.

Iran will ins All

Mit der Luft- und Raumfahrt hat Abdulahad Momand heute gar nichts mehr zu tun. Seine Orden und ein Sojus-Modell stehen in der Vitrine im Wohnzimmer. Seine Crewkameraden trifft er gelegentlich auf Konferenzen, und kürzlich war er mit seiner Familie und einem Kamerateam im Sternenstädtchen bei Moskau. Dort wurde eine Fernsehdokumentation über das sowjetische Interkosmos-Programm gedreht.

Mittlerweile betreiben islamische Staaten wie Malaysia und Iran eigene nationale Weltraumprogramme. 2001 hatte Iran für internationales Erstaunen gesorgt, als sein damaliger Präsident Mohammad Chatami Russland den Vorschlag machte, die ausrangierte Mir zu kaufen. Iran wollte die Raumstation zwei bis drei Jahre militärisch nutzen. Russland sollte die Ausbildung der iranischen Kosmonauten übernehmen. Allerdings kam das Angebot zu spät, da der Absturz der Mir bereits eingeleitet war. Im Augenblick arbeitet Iran daran, mit eigenen Raketen Satelliten in die Erdumlaufbahn zu schicken. Es kursiert seit einiger Zeit die Meldung, dass Iran mit Unterstützung Russlands Raumfahrer und ein eigenes Raumschiff ins All schicken will. Malaysia hingegen plant zum Jahr 2020 eine Mission zum Mond.

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