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Muslime im Weltraum : Mit dem Koran in den Himmel

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Auf die Frage, ob die sowjetische Raumfahrtbehörde ihm Schwierigkeiten machte, als er sie mit dem Anliegen konfrontierte, dass er seine Religion, den Islam, während des Raumflugs praktizieren, seinen Koran und seine Gebetskette mit in den Weltraum nehmen und benutzen wolle, antwortet Momand nüchtern: „Nein, es war von vornherein im Protokoll festgehalten.“ Da er seinen Speiseplan selbst zusammenstellte, konnte er die islamischen Speisevorschriften einhalten. So wurde er auf der Mir mit Reis und Huhn versorgt und musste auch auf das afghanische Nationalgetränk, schwarzen Tee, nicht verzichten. An Bord war es ihm unmöglich, das Gebet in Richtung Mekka zu richten, weil die Mir um die Erde kreiste und sich zusätzlich noch selbst drehte. Und auch den genauen Gebetsablauf konnte er in der Schwerelosigkeit nicht einhalten, deshalb schnallte er sich an und betete in Ruhe.

Zwei Uhren für die Gebetszeit

Vor Abdulahad Momand waren bereits zwei Muslime ins Weltall geflogen, Prinz Sultan bin Salman Al Saud als erster muslimischer Raumfahrer überhaupt und der Syrer Muhammed Achmed Faris. Um in Erfahrung zu bringen, was ein Muslim beachten muss, wenn er in den Weltraum reist, ließ sich Prinz Sultan vor seiner Reise von saudi-arabischen Rechtsgelehrten beraten. Das Problem der Gebetszeiten löste er, indem er zwei Armbanduhren anlegte. Die eine zeigte die Zeit des Abflugortes - in diesem Fall Cape Canaveral -, die für das Gebet maßgeblich ist, die andere die an Bord gültige Greenwich-Zeit.

Als der gläubige malaysische Arzt Sheikh Muszaphar Shukor - letzter von bislang neun Muslimen im Weltraum - im Jahr 2006 für einen Flug zur Internationalen Raumstation (ISS) ausgewählt wurde, der dann im Oktober 2007 stattfand, richteten die malaysische Weltraumorganisation und das Religionsministerium ein internationales Seminar zum richtigen Verhalten im Weltraum aus. Dort wurde auch eine „Richtlinie für die Ausübung islamischer Kulthandlungen auf der ISS“ verfasst. Sie beantwortet die wichtigsten Fragen, zum Beispiel, wie die rituelle Waschung vollzogen, wie das Gebet ausgerichtet oder was beim Essen beachtet werden soll.

Generell weist sie den muslimischen Raumfahrer an, die muslimischen Kulthandlungen, so gut es geht, zu verrichten, wofür sie Vereinfachungen und Beschränkungen auf das Wesentliche vorschlägt. Die rituelle Waschung vor dem Gebet etwa ist auf der ISS nicht in der gewohnten Weise möglich, weil dort Wasser gespart werden muss. Deshalb ist eine symbolische Waschung statthaft. Die Richtlinie gibt aber auch Rat, was im Fall des Todes zu tun ist: Nach Möglichkeit soll der Leichnam zur Erde zurückgebracht, andernfalls eine schlichte Weltraumbestattung vorgenommen werden.

Intuitive Religionsausübung

Solch umfassende Beratung hatte Momand vor seiner Reise nicht. Nach seinen religiösen Ansprechpartnern gefragt, betont er: „Ich bin ein einfacher Muslim und kein Experte für islamisches Recht. Es gibt viele Rechtsgelehrte und keine einheitliche, alle Muslime vereinende Institution. Der Islam ist eine Religion, in der man für viele Fragen Antworten finden kann.“ Die Fragen rund um seine Religionsausübung im Weltall hat er intuitiv gelöst.

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