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Musiker : Musik als Lebensform - Zum Tod von Isaac Stern

  • Aktualisiert am

Am Ende versöhnt: Isaac Stern Bild: dpa

Isaac Stern, der in New York und Israel lebende Geiger ist tot. Im Alter von 81 Jahren erlag Stern einem Herzversagen.

          Der amerikanische Violinist Isaac Stern ist tot. Der 81-Jährige starb am Samstag an Herzversagen, wie eine Sprecherin der Carnegie Hall in New York mitteilte.

          Stern sei bereits in den vergangenen sechs Wochen immer wieder mit Herzbeschwerden ins Krankenhaus eingeliefert worden. Stern war einer der letzten großen Geiger seiner Generation und mit mehr als 100 Aufnahmen einer der bekanntesten klassischen Musiker der Geschichte. Er war Präsident der Carnegie-Hall-Gesellschaft und verhinderte in den 50er Jahren den Abriss der Konzerthalle in New York.

          Carnegie Hall gerettet

          Damals wollte eine Baufirma die 1891 eröffnete Carnegie Hall abreißen und stattdessen ein buntes Bürogebäude errichten. Stern setzte seinen Namen und seine Kontakte ein und erreichte schließlich, dass die Stadt das Gebäude für fünf Millionen Dollar übernehmen konnte. „Ich habe viel geredet“, sagte Stern später in einem Interview. „Wenn man an etwas glaubt, kann man Berge versetzen.“ Die Carnegie-Hall-Vorsitzende Sandy Hall beschrieb den Geiger als eine Inspiration für alle Menschen, nach Höherem zu streben.

          Stern wurde am 21. Juli 1920 in Kreminiecz in der Ukraine geboren. Knapp ein Jahr später wanderten seine Eltern in die Vereinigten Staaten aus und ließen sich in San Francisco nieder. Mit sechs Jahren erhielt er zunächst Klavierunterricht, mit acht probierte er erfolgreich die Geige eines Schulkameraden. Danach studierte er zuerst bei Robert Pollack und dann bei Louis Persinger am Konservatorium von San Francisco drei Jahre lang Geige. Bereits mit elf Jahren gab Stern sein Debüt als Violinist mit dem Symphonieorchester von San Francisco. 1938 spielte Stern zum ersten Mal in der Carnegie Hall, sechs Jahre später gab er sein Debüt mit dem New York Philharmonic Orchestra.

          Kein Geigenunterricht

          Nach seinem 17. Lebensjahr erhielt Stern niemals mehr geregelten Geigenunterricht. „Für meine Fehler bin ich daher auch ganz allein verantwortlich“, sagte er dazu. „Es ging mir vielmehr um die Entwicklung einer persönlichen und intellektuellen Beziehung zur Musik als Idee, die ja auch eine mögliche Art ist, sein Leben zu gestalten.“ Stern war auf allen internationalen Konzertpodien zu Hause und gab bis zu 200 Konzerte im Jahr. Zahlreiche Weltreisen führten ihn unter anderem nach Europa, Israel, Südafrika, Australien, Indien, Japan, Island und Hongkong. 1956 war er der erste Amerikaner, der nach dem Zweiten Weltkrieg in der Sowjetunion gastierte. Während des Golfkriegs 1991 wurde eines seiner Konzerte in Israel von Sirenen unterbrochen, die vor einem möglichen Raketenangriff Iraks warnten. Die Zuhörer setzten Gasmasken auf, während Stern auf die Bühne zurückkehrte und ganz allein ein Stück von Bach spielte.

          Nach Deutschland zurückgekehrt

          Im Gegensatz zu seinem Musikerkollegen Yehudi Menuhin gelobte Stern, niemals in Deutschland aufzutreten, da Familienmitglieder während der Herrschaft der Nationalsozialisten ermordet wurden. Im April 1999 brach Stern dieses Prinzip: Er kam erstmals seit Kriegsende 1945 wieder nach Deutschland und hielt in Köln einen Kammermusikkurs ab. „Es ist nicht sehr menschlich, den Leuten nicht eine Chance zur Veränderung zu geben“, erklärte Stern. „Mit meinem Besuch vergebe ich nichts.“

          Isaac Stern lebte mit seiner Frau in New York und Israel.

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