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Museum : Neue Kunstlaterne am Wiener Karlsplatz

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Anstelle des unentbehrlichen Containers: der Pavillon der Kunsthalle Wien am Karlsplatz Bild: Kunsthalle Wien

Die Wiener Kunsthalle eröffnet ein Glashaus für experimentelle Kunst, dort, wo sie sich als Provisorium einst etabliert hatte: am Karlsplatz.

          Am Wiener Karlsplatz, nur wenige Schritte vom jungen Museumsquartier entfernt, stand noch vor einem Jahr ein großer, gelb-blauer Container. 1991 war er vom Wiener Architekten Adolf Krischanitz als Provisorium errichtet worden. Bis zum letztjährigen Umzug ins Museumsquartier diente er der Kunsthalle als Hauptquartier. Was sollte jetzt mit dem Container, mit dem Standort geschehen? Abriss?

          Davon konnte keine Rede sein. Kunsthalle nebst beliebtem Café erweckten diese Ecke des Karlsplatzes erst zum Leben. So entwickelten der Architekt zusammen mit dem Ausstellungshaus ein neues Konzept: Statt des Containers wurde ein Glashaus gebaut - keine Konkurrenz, sondern eine "Außenstation der Kunsthalle", wie der Architekt betont.

          Eleganter Kubus der Durchschaubarkeit

          Aber wieso fiel die Entscheidung zugunsten eines Glashauses? "Weil es vorher ein geschlossenes Gebäude war! Jetzt ist es eine Art Vitrine beziehungsweise eine Art Laterne. Vitrine, weil darin eine Kunst stehen wird, die auch von außen gesehen werden soll - nach Maßgabe natürlich, denn man kann auch die variablen Wände vor die Glasfront stellen. Die Laternenfunktion: Die Kunst und das Licht des Gebäudes strahlen nach draußen. Damit erhält das Gebäude nicht nur eine neue Sachlichkeit, sondern auch eine neue Helligkeit." So erklärt Krischanitz den Pavillon.

          Jetzt steht dieser wunderbar-elegante Kubus auf dem Platz und ist nicht nur die Laterne der Kunsthalle, sondern zugleich ein sichtbares Zeichen für eine veränderte Ausstellungspraxis. Denn statt immenser Ausstellungshalle und kleinem Café teilen sich beide, durch eine Wand getrennt, nahezu gleichwertig die Gesamtfläche. Welchem Bereich der durch Glaswände abgeteilte Veranstaltungsraum zuzuordnen ist, bleibt angenehm offen - die Trennung zwischen Kunst und Leben wird hier zumindest architektonisch aufgehoben. Wie die Künstler mit dieser offenen Situation umgehen werden, wird mit großer Spannung erwartet.

          Kunstschaufenster für Experimente

          Bei aller Begeisterung für die neue "Kunsthalle Wien am Karlsplatz" steht allerdings noch eine Frage im Raum. Wofür braucht die Kunsthalle eigentlich ein weiteres Gebäude? Immerhin stehen ihr im Museumsquartier 1.700 Quadratmeter Ausstellungsfläche zu Verfügung. Aber eines fehlt dort eben doch: die sichtbare Präsenz in der Stadt. So sehr versteckt sich das neue Haus im Schatten der ehemaligen Winterreithalle, dass selbst der Eingang leicht zu übersehen ist. Zudem eignet sich die Architektur nur bedingt für eben jene experimentellen Ausstellungen, die jetzt im Schaufenster am Karlsplatz geplant sind. Dort wird es hauseigene Projekte mit Kim Sooja, im Sommer "documenta 5", Videopräsentationen plus Videosammlung, aber auch eine spannende Kooperation "in Lehre und Praxis" mit der Universität für Angewandte Kunst geben.

          Bevor dieses Programm ab Februar startet, eröffnet die Kunsthalle Wien am Karlsplatz an diesem Freitag erstmal mit einer Werkschau der Pavillons von Adolf Krischanitz - und damit stehen architektonische Experimente zur Diskussion, die diesem Luxus eines großen Schaufensters in Wien eine städtebauliche Dimension hinzufügen.

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