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Massaker von Babyn Jar : Gedenken als Selbsterkundung?

Wie sieht würdiges Gedenken aus? Feierlichkeiten in Babyn Jar, 2015. Bild: Picture-Alliance

In der „Weiberschlucht“ bei Kiew wurden im Krieg hunderttausend Menschen von Deutschen ermordet. Jetzt wollen Oligarchen dort ein neuartiges Museum finanzieren. Wie aber sieht ein würdiger Gedenkort aus?

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          Die Ukraine, ein Land voller jüdischer Erinnerungsorte, aber früher auch die Heimat eines blutrünstigen Antisemitismus, hat unter dem Druck der russischen Aggression zu einer neuen, multireligiösen und überethnischen Identität gefunden. Ein Ausdruck davon war vor einem Jahr der überwältigende Wahlsieg des Schauspielers Wolodymyr Selenskyj, des heutigen Staatspräsidenten. Das eigentlich Erstaunliche war, dass Selenskyjs Herkunft in einem ansonsten sehr schmutzigen Wahlkampf überhaupt nicht thematisiert wurde, erklärte vor Jahresfrist Elan S. Carr, Washingtons Beauftragter für die Bekämpfung des Antisemitismus, auf dem Jüdischen Forum in Kiew. Carr sprach von einem „Wunder“, wie man es selbst in einem Wahlkampf in Amerika nicht unbedingt erwarten könne.

          Gerhard Gnauck
          Politischer Korrespondent für Polen, die Ukraine, Estland, Lettland und Litauen mit Sitz in Warschau.

          Die größte Tragödie der ukrainischen Juden war mit dem Weltkrieg von außen gekommen. Jetzt spaltet eine Debatte darüber die Gesellschaft, wie in Babyn Jar, einem zentralen Ort des Holocausts, der Opfer gedacht werden soll. Babyn Jar, die „Weiberschlucht“ (russisch: Babij Jar), ist ein Tal im hügeligen Kiewer Stadtgebiet, heute ein weitläufiger Park. Kurz nachdem am 19. September 1941 die Wehrmacht die Hauptstadt der Sowjetrepublik Ukraine eroberte, kam es im Stadtzentrum zu offenbar von Partisanen vorbereiteten Explosionen und Bränden. Vermutlich als „Strafaktion“ ordneten die Besatzer die Erschießung von Juden an. Am 29. und 30. September wurden viele Juden der Stadt nach Babyn Jar getrieben und dort erschossen. Die Massengräber wurden zugeschüttet. 33.771 Juden seien getötet worden, hieß es im nach Berlin gesandten Polizeibericht. So schnell arbeiteten später nicht einmal die Gaskammern. Bis 1943 wurden in der Schlucht neben Juden auch Kommunisten und Rotarmisten, des Widerstands verdächtigte Ukrainer und Russen, Roma und Behinderte erschossen. Insgesamt starben dort bis zu hunderttausend Menschen, etwa zwei Drittel davon Juden.

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