https://www.faz.net/-gqz-2rcz

Museen : Stapellauf für Düsseldorfs umstrittenes „museum kunst palast“

  • -Aktualisiert am

„museum kunst palast” in Düsseldorf (Modellansicht) Bild: Stiftung museum kunst palast

In Düsseldorf wird am 1. September das umstrittene, von der Wirtschaft mitfinanzierte „museum kunst palast“ eröffnet.

          3 Min.

          Am 1. September eröffnet das neue „museum kunst palast“ im Düsseldorfer Ehrenhof. Erklärte Zielsetzung: in der „ersten Liga“ der internationalen Kunstorte mitzuspielen und ein Vorreiter der Globalisierung im Bereich der Museen zu werden. Für die Finanzierung sorgt die Stadt Düsseldorf im Verbund mit den drei Konzernen Veba (heute E.ON), Metro und Degussa. In Deutschland ist dies der erste Fall einer „public-private-partnership“ bei einem Museum.

          Zu diesem Zweck wurde 1998 eine privatrechtliche Stiftung gegründet, an der die Stadt Düsseldorf zu 87 Prozent, E.ON zu 13 Prozent beteiligt ist. E.ON sagte jährlich zwei Millionen Mark für einen Zeitraum von zehn Jahren zu und stellte zusätzlich drei Millionen für die ersten drei Jahre zur Verfügung. Im Gegenzug verkaufte die Stadt dem Konzern das unmittelbar ans Museumsgelände angrenzende Grundstück für 19,5 Millionen Mark, auf dem E.ON - nach seiner Zusage, den Abbruch des alten Kunstpalastes, die Sanierung der historischen Fassade und den Museumsneubau mitzufinanzieren, eine neue Konzernzentrale errichten durfte.

          Wie viel Einfluss nimmt die Wirtschaft?

          Die so angelegte „public-private-partnership“ hatte zu heftiger Kritik geführt. Da Stiftungsgeschäfte gemeinhin auf Ewigkeit angelegt sind, erschien die zehnjährige privatwirtschaftliche Bindung durch E.ON als viel zu kurzfristig. Man zweifelte an der Ernsthaftigkeit des Konzerns und fürchtete außerdem, dass die Wirtschaft sich zu stark in das künstlerische Programm einmischen werde. Obendrein sahen einige Düsseldorfer Künstler mit dem Abbruch des alten Kunstpalastes ein Stück regionaler Ausstellungstradition schwinden, die über die Grenzen Düsseldorfs hinaus Anerkennung gefunden hatte.

          Bis heute versucht der Generaldirektor Jean-Hubert Martin, der zuvor das Centre Pompidou und das Nationalmuseum für afrikanische und ozeanische Künste in Paris leitete, die Bedenken zu zerstreuen. In der Stiftungssatzung, so Martin, sei festgelegt, dass E.ON zwar vier und die als Sponsor hinzugekommene Metro AG einen Sitz im höchsten Stiftungsgremium erhalte - dieses habe aber auf Entscheidungen des Vorstands zum Ausstellungs- und Veranstaltungsprogramm keinen Einfluss.

          Neues „Künstlermuseum“ führt zur Auseinandersetzung

          Im Vorfeld der Eröffnung hat Martin, der den leicht angestaubten Ehrenhof wieder als vitales Kunstzentrum in der internationalen Szene verankern soll, nun selbst für Aufsehen gesorgt. Nicht nur, dass er Altäre aus aller Welt in den Museumskontext bringen wird. Parallel zur Eröffnungsausstellung im Neubau, so ließ der Museumsmann hören, wird aus dem gegenüber liegenden Kunstmuseum mit seiner viele Jahrhunderte umspannenden Gemäldegalerie ein „Künstlermuseum“. Ausgerechnet zwei der ehemals schärfsten Gegner des „museums kunst palast“, die Düsseldorfer Künstler Bogomir Ecker und Thomas Huber, haben, zusammen mit den Kustoden der Stiftung, die umfangreiche Sammlung neu geordnet und präsentieren diese jetzt „nach künstlerischen Gesichtspunkten“.

          In den Räumen, die durch die Düsseldorfer Stadttor-Erbauer Petzinka, Pink und Partner zumindest ansatzweise modernisiert wurden, sollen überraschende, themenorientierte Verschränkungen alter und neuerer Sammlungsbestände die chronologische Ordnung ablösen. Neben einer Begegnung mit zum Teil nie gezeigten Barockzeichnungen aus der umfangreichen Graphischen Sammlung des Hauses soll hier unter anderem auch die legendäre Künstlerdisco „Creamcheese“ wiederauferstehen.

          In Fachkreisen führte das „Künstlermuseum“ zur Auseinandersetzung. In einem Schreiben wandte sich der Deutsche Museums Bund an die Stadt Düsseldorf, um seine „sehr ernsten Bedenken gegen diese Pläne anzumelden, da sie die historisch gewachsenen Grundprinzipien eines Kunstmuseums aufgeben, ohne etwas Ebenbürtiges an ihre Stelle zu setzen“.

          Ein Programm im Zeichen der Globalisierung

          Inhaltlich wird das Museumszentrum, dessen Managementstruktur von der Boston Consulting Group miteingerichtet wurde, dem folgen, was Martin in der Weiterführung eines der Kunst- und Marketing-Modeworte der 80er Jahre als „glokal“ bezeichnet. Der Ausstellungsbetrieb, bei dem laut Stiftungssatzung „Publikumsträchtigkeit“ groß geschrieben wird, soll Impulse aus aller Welt aufnehmen und vom eigenen Standort aus Signale in die Welt senden. Zugleich soll er durch engen Kontakt zur Akademie und Düsseldorfer Instituten und Verbänden, lokal verankert werden.

          Weitere Themen

          Zu teilen mit allen, deren Leid er sah

          Friedenspreis für Salgado : Zu teilen mit allen, deren Leid er sah

          Als erster Fotograf ist der Brasilianer Sebastião Salgado in der Paulskirche mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. Fast in gleichem Maße wie für sein fotografisches Œuvre wurde er für sein „Instituto Terra“ geehrt.

          Topmeldungen

          Pressestimmen zum Brexit : Ein Haus voller Narren und Esel

          Der abermalige Brexit-Aufschub findet gerade in der britischen Presse alles andere als ein positives Echo. Manche Kommentatoren finden teils harsche Worte für die Abgeordneten des Unterhauses. Eine Presseschau.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.