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Museen : Neues Labor für experimentelle Kunst in Paris

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Eine Installation des Schweden Gunilla Klingberg in der „Site de création contemporaine” Bild: AP

Am Montag ist im Palais de Tokyo, hoch über der Seine, eine neue Kunsthalle eröffnet worden. Sie stellt ein erstes Kulturlabor des 21. Jahrhunderts dar.

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          Paris ist endlich wieder voll positiver Energie, wenn es um die zeitgenössische Kunst geht. Mit der Eröffnung einer neuen Kunsthalle versucht die französische Hauptstadt nun international wieder Anschluss zu finden. Der französische Premierminister Lionel Jospin hat an diesem Montag die Kunsthalle für Gegenwartskunst, „Site de création contemporaine“, im Palais de Tokyo eröffnet.

          Mit 3.000 Quadratmetern ist die Ausstellungsfläche unter dem Dach eines ehemaligen Weltausstellungsgebäudes, das 1937 auf der rechten Seineseite errichtet und nun für etwas mehr als 3 Millionen Euro teilweise umgebaut wurde, so groß wie ein ordentliches Museum. Das neue Labor für Gegenwartskunst wird keine eigene Sammlungen haben, sondern ständig wechselnde Ausstellungen, Filmvorführungen, Modenschauen zeigen.

          Mit dieser Kunstküche sucht Paris international Anschluss

          Utopisch, aufregend und ehrgeizig, pragmatisch, hochtrabend und intelligent, notwendig und maßlos fanden die französischen Medien den neuen Kulturstandort auf Anhieb. Kaum ein Werbemacher hätte besser dafür trommeln können. Auf dieses Ereignis wartete die aufgeweckte Kunstszene schon seit langem: Sie hofft den Hochburgen New York und London nun wieder Konkurrenz machen zu können.

          „Wenn es ein Projekt gibt, dass mit Ungeduld und Spannung erwartet wurde, und dessen Ziele vielversprechend ins neue Jahrtausend weisen, dann ist es diese neue Kulturstätte für Zeitgenössisches, die von den existierenden Institutionen nur unzureichend berücksichtigt wurde“, schreibt der Kunstkritiker Martin Bethenod.

          Zwar fehlt es in Paris weder an Museen noch Galerien, doch gibt es keinen Ort der ausschließlich der Experimentierfreudigkeit junger Künstler gewidmet ist. Denn die Kunsthalle soll ein „Ort für Experimente und Abenteuer sein, der offen ist für Fragen, Widersprüche und Risiken“, verkündet Jérôme Sans (41), der zusammen mit Nicolas Bourriaud (36) den neuen Hoffnungsträger für aktuelle Kunst leitet.

          Flexibilität und Offenheit sollen Grundlage neuer Ideen sein

          Die ehrgeizigen Ziele werden in einem mehr als 150 Seiten dicken Pressedossier aufgeführt. Denn die neue Einrichtung in einem Komplex mit dem "Museé d'art Moderne de la Ville de Paris" will nicht nur experimentell und interdisziplinär sein, sondern vor allem international. Sie bietet französischen und ausländischen Künstlern Raum, Zeit und Geld, um ihren kreativen Experimenten und Recherchen nachgehen und ausstellen zu können.

          Die Architektur ist genauso offen und flexibel wie der Inhalt. Von dem monumentalen Weltausstellungsgebäude, blieb nach einem radikalen Lifting nur noch die Hülle übrig. Der pompöse Bau wurde von den Toulouser Architekten Anne Lacaton und Jean-Philippe Vassal völlig entkernt. So fällt der Blick des Besuchers auf nackte Stahlgerüste und Betonrippendecken.

          Eine junge Generation setzt sich nun auch am alten Kunst-Standort Paris durch

          Das Konzept des neuen Kunsttempels hat eine Palastrevolution ausgelöst. Die Direktoren sind beide Kunstkritiker und gehören der Generation von Ausstellungsmachern an, die hyperaktiv und voller ausgefallener Ideen sind. Ihre Ernennung vor drei Jahren rief heftige Kritiken hervor. „Frankreichs Museumspolitik ist schwerfällig und verstaubt“, meint Nicolas Bourriaud, dessen Kunsthalle sich der konventionellen Museumsverwaltung teilweise entzieht. „Wenn ich eine interessante Arbeit irgendwo sehe, kann ich sie sofort ausstellen“, begeistert er sich.

          Sogar die Öffnungszeiten sind Teil des neuen Kunstkonzepts: Von 12 Uhr mittags bis 12 Uhr nachts kann der Besucher vom 29. Januar an zwischen Videoinstallationen und Web-Art Werken schlendern.

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