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Museen : Geriebenes Licht

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Los Angeles soll Amerikas nächste Kunsthauptstadt werden. Ein neues Museum hat es jetzt schon mal: The Broad, entworfen von Elizabeth Diller, gefüllt gefüllt mit sehr teurer und sehr prominenter Kunst

          Eine Woche ist es nun offen, das Sammlermuseum The Broad in Downtown Los Angeles, aber auf einen offiziellen Spitznamen hat man sich noch nicht einigen können. Der Spitzenreiter ist die Käsereibe. Das Wortspiel „Making America Grate Again“ (also ungefähr: „Amerika wieder reiben lassen“ statt „Amerika wieder groß machen“) kommt einfach zu gut.

          Und es stimmt ja: Das von Elizabeth Diller vom New Yorker Büro Diller Scofidio + Renfro entworfene, 140 Millionen Dollar teure Haus an der Grand Avenue erfüllt diesen Zweck sehr gut. Mit dem Unterschied, dass seine poröse Fassade nicht Molkereiprodukte reibt, um deren Aroma auf Pastagerichten möglichst feinstofflich zu verteilen, sondern Licht auf Kunst rieseln lässt.

          Sehr teure, sehr prominente Kunst ist es, die im Broad ausgestellt wird, unter anderem von Jeff Koons, Takashi Murakami, Ed Ruscha, Jeff Wall, Damien Hirst, Julian Schnabel und Cindy Sherman, die alle zur feierlichen Eröffnung angereist waren, denn das Sammlerpaar Eli und Edyth Broad ist ein treuer, großer und wichtiger Abnehmer ihrer Werke. Auch Warhol kauften die Broads (spät) sowie Basquiat und Haring und die übrige New Yorker Szene der achtziger Jahre (früh). Nun haben die 2000 Werke eine Heimat bekommen, anstatt in Lagerhäusern zu warten, bis sie jemand ausleihen mag.

          Dafür brauchen die Broads The Broad. Und Los Angeles braucht die Broads. Das Baugrundstück wurde dem Immobilienmann beim Mittagessen mit dem Bürgermeister angeboten, es liegt neben der bekanntesten Architektur der Stadt, Frank Gehrys Walt Disney Concert Hall (für die Broad auch viel spendete). Gleich gegenüber liegt das MOCA. Und schräg gegenüber, wo jetzt ein großer Parkplatz ist, plant der Stararchitekt Gehry das Grand Avenue Project mit zwei Wolkenkratzern und einem fußgängerfreundlichem Park. Baubeginn ist Ende des Jahres.

          Die vielen Dollars der Broads

          Als der gelernte Buchhalter Eli Broad mit seiner Frau Edyth 1963 aus Detroit nach Los Angeles umzog, gab es dort praktisch keine Institutionen für bildende Kunst. Seit sie ihn 1973 für Kunst interessieren konnte, geht in der Kunstwelt von Los Angeles wenig ohne die beiden: Eli Broad, heute 83, gründete das MOCA mit, das Gegenwartsmuseum der Stadt, und rettete es 2008 vor dem Bankrott.

          Broad, der mit billigen Eigenheimen und Versicherungen sieben Milliarden Dollar schwer wurde, sitzt im Vorstand des Los Angeles County Museum of Art (LACMA), dem wichtigsten Kunstmuseum der Stadt, das ihm ein Broad Museum of Contemporary Art einrichtete, nachdem er sechzig Millionen gab; insgesamt hat das Ehepaar Broad mehr als 800 Millionen Dollar an Kultureinrichtungen im Großraum Los Angeles gespendet.

          Die Stadt erhofft sich von diesen Bauten eine Belebung von Downtown, eine Kulturmeile wo sonst keiner freiwillig gern hingeht. Man geht ja sowieso nirgendwo hin in der Autostadt Los Angeles. Der übliche Weg, hier ein Museum zu betreten, ist über die Tiefgarage.

          Immerhin, das Broad hebt seine „veil“ (Schleier) genannte Fassade so weit an, dass man als Passant hineinsehen kann. 2500 glasfaserverstärkte Betonformsteine bilden eine Schutzhaut mit ovalen Öffnungen, durch die man von innen wie durch exzentrische Bullaugen die schimmernde Ich-zerknülle-einen-Strafzettel-und-reiche-ihn-als-Entwurf-ein-Fassade der Walt Disney Concert Hall in der Sonne blinken sehen kann.

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