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Museen : Frank O. Gehry entwirft zweites Guggenheim-Museum

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Frank O. Gehrys Entwurf für ein neues Guggenheim-Museum am Hudson River Bild: Frank O. Gehry

Frank O. Gehry baut für Guggenheim eine gigantische Museumslandschaft am East River und zeigt sein Modell am Central Park.

          2 Min.

          Die Ausstellung des Architekten Frank O. Gehry ist zur Zeit Gast im spiralförmigen Haupthaus des alten Guggenheim Museum am New Yorker Central Park, dem Meisterwerk von Frank Lloyd Wright. Erst kurz nach dessen Tod wurde es 1959 eröffnet.

          An der Funktionsfähigkeit der schmalen und schrägen Galerien auf den Rampen wurde von Anfang an gezweifelt. An der markanten Form nie. Überraschenderweise ist es ein perfektes Heim für eine Architekturausstellung wie „Frank Gehry Architect“, weil die Besucher fast von jedem Rampenpunkt aus einen vollständigen Überblick über das Lebenswerk dieses Architekten erhalten, das durch großformatige Fotos und vor allem durch Modelle repräsentiert wird.

          Gehry verschleiert Frank Lloyd Wright

          Dennoch versucht Frank G. nun in Konkurrenz zu Frank L. W. zu treten: Er verhängt den runden Innenhof mit riesigen Fahnen aus einem Drahtgeflecht. Die semi-transparenten Raumsegel legen sich sanft über die schroffe Tektonik des Frank L. W. und lösen sie damit beinahe optisch auf. Vielleicht ist das schon so etwas wie eine Trainingseinheit für Gehry, dem nach seinem gigantischen Erfolg mit dem Guggenheim Museum in Bilbao ganz natürlich die Aufgabe zugewachsen ist, das zukünftige Guggenheim-Flaggschiff ins Wasser des New Yorker East Rivers zu stellen. Es wird, so die Finanzierung gesichert ist, der Endpunkt im Werk des Frank Gehry, aber auch die Krone für das Lebenswerk des Guggenheim-Chefs Thomas Krens sein, der 1988 angetreten ist, die Welt der Künste durch seinen Konzern global zu erobern.

          Bilbao erhält Nachfolger

          Das kommende Supermuseum ist zweifelsfrei ein Kind des Bilbao Museums. Verwandt sind die metallenen Dachkaskaden. Sie krönen in vielfacher Auffächerung eine Museumslandschaft, die - und das soll in den nächsten Jahren akribisch herausgearbeitet werden - mit beeindruckenden Museumsräumen noch besser auf die häufig großformatige Kunst der Spätmoderne eingehen soll, als es bereits in Bilbao geschehen ist. Wie im Baskenland wird die individuelle Gehry-Architektur trotzdem mit der Topographie des Ortes fest verankert sein.

          Deshalb wird das Haus auch eine mittlere Skyscraper-Höhe erreichen. Die Dachlandschaft ruht sozusagen auf mächtigen hohen Betonkernen, wie sie ja jedes Hochhaus in seinem Innern auch verbirgt. Die Guggenheims selbst sehen im neuen Bauwerk und seiner gebrochenen Kurvenlandschaft eine sinnfällige Interpretation der gigantischen „Energie dieser City“ und eine Antwort auf das fließende Wassers des East Rivers. Da mangels vorhandenem Baugrund das Museum tatsächlich im Fluss gegründet wird, liegt das Bild vom Segelschiff nahe, das schon einmal die Supersegel aus Metall aufbläht, um übers Meer zu fahren und die Welt zu erobern.

          Guggenheim am Kai

          Das Museum wird eine lange Planungszeit benötigen. Eine längere vermutlich, als wir heute schon befürchten, weil Gehry immer etwas länger braucht. Ob drüben von Brooklyn oder aus der Höhe der Downtown Scrapes - das verrückte New Yorker Morgen- und Abendlicht wird Gehrys geknetete und gefaltete Dachformationen erleuchten und belichten, so dass New Yorker und Touristen bei der Bezeichnung nach immer neuen verbalen Superlativen suchen werden.

          In den nächsten drei Jahre will man jetzt planen und sich grundsätzlich über das Raumprogramm und die Gestaltung Gedanken machen. Seit Ende 2000 steht ein öffentlicher Zuschuss von 68,9 Mill. Dollar im Raum, dafür sollen aber auch Veranstaltungssäle und ein Theater integriert werden, denn das neue Guggenheim soll „mehr als ein Museum werden, nämlich auch ein Forum für öffentliches Engagement“. Und danach wird sich vielleicht herausstellen, ob das New Yorker Guggenheim seinen „Papa“ in Bilbao noch toppen kann.

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