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Im Gedenken an August Stramm : Kein Strammplatz für Münster

Die Münsteraner Lambertikirche ist nur drei Gehminuten von der Stadtbücherei und dem nicht vorhandenen August-Stramm-Platz entfernt. Bild: dpa

Der Dichter August Stramm ist einer der wichtigsten Söhne der Stadt Münster. Der Existenzialist fiel im Ersten Weltkrieg, dessen Schrecken er eindrücklich beschrieb. Eine Strammstraße gibt es in Münster dennoch nicht.

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          Morgen ist der hundertste Todestag von August Stramm. Vergessen ist der frühe Expressionist nicht, doch hätte sein schmales Werk mehr Beachtung verdient. Als im vergangenen Jahr des Beginns des Großen Krieges gedacht wurde, gehörte sein Sechszeiler „Patrouille“ zu den meistzitierten Stimmen: „Die Steine feinden / Fenster grinst Verrat / Äste würgen / Berge Sträucher blättern raschlig / Gellen / Tod“. So eindrücklich hatte der Schrecken des Krieges, in dem der Dichter am 1. September 1915 fiel, bis dahin die deutsche Syntax noch nicht zerfetzt.

          In Münster, wo Stramm am 29. Juli 1874 geboren wurde, erinnert der Daedalus Verlag mit einer Anthologie, die ihn als „poet’s poet“ herausstellt, an den Lyriker. „Die Verdienste des August Stramm um die Dichtung sind sehr“, befindet Kurt Schwitters 1919 elliptisch. Und Arno Schmidt bekennt in „Aus dem Leben eines Fauns“ (1953): „Wieland ist mein größtes formales Erlebnis neben August Stramm!“

          Literarisch eine gute Adresse

          Die Stadt aber tut sich schwer mit ihrem Sohn, noch immer hat sie keine Straße nach ihm benannt. „In Münster gibt es einen Anzengruberweg, eine Freiligrathstraße, einen Hatzfeldweg, eine Lönsstraße, es gibt aber keine Straße für August Stramm, der in dieser Stadt geboren wurde“, haderte der Germanist Clemens Heselhaus 1965 - zum fünfzigsten Todestag. Dabei ist es bis heute geblieben, nur dass inzwischen auch Clara Ratzka, die nicht zu kennen wahrlich kein Versäumnis darstellt, mit einem Weg geehrt wurde. Die Initiative für Stramm wurde mehrfach erneuert und scheiterte zuletzt daran, dass die rot-grüne Mehrheit der Bezirksvertretung Münster-Mitte erst einmal nur Frauen berücksichtigen möchte.

          Jetzt aber ist wieder Bewegung in die Debatte gekommen, denn Stramms Geburtshaus, das im Krieg zerstört wurde, stand unmittelbar neben der heutigen Stadtbücherei, deren Vorplatz nach Alfred Flechtheim heißt. Nach der Kaufmannsfamilie des Kunsthändlers ist auch ein Speicher am Hafen benannt, in den kürzlich das Wolfgang-Borchert-Theater eingezogen ist. Um Verwechslungen beider Orte zu vermeiden, soll, so plädiert die Literaturszene der Stadt, der „Flechtheim-Platz“ an den Hafen verlegt werden und den Platz in der Innenstadt frei machen für August Stramm. Der hundertste Todestag wäre dafür der geeignete Anlass, doch die Bezirksvertretung hat ihn verstreichen lassen. So wird sich die Stadtbücherei weiter gedulden müssen, ehe sie auch literarisch zu einer ersten Adresse wird.

          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

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