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Münchner Missbrauchsstudie : Zeitgeist als Rechtfertigung?

Joseph Ratzinger, von 1977 bis 1982 Erzbischof von München und Freising Bild: picture alliance/ASSOCIATED PRESS

Missbrauch, die unendliche Lerngeschichte: Marx und Ratzinger schlagen in ihrer Verteidigung kulturrelativistische Töne an. Warum das verblüfft.

          5 Min.

          Wann, wenn nicht im Fall des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger sei die Einordnung einer Thematik als Chefsache zutreffend? Die rhetorische Frage stellte der Kanzleivertreter Martin Pusch bei der Präsentation des Münchner Missbrauchsgutachtens. Der kulturrelativistische Konter trägt den Namen Lernprozess. Reinhard Kardinal Marx, auf den Puschs Chefsache-Appell zielte, kontert seit Jahren mit einem Prozessdenken, das sich salopp auf die Formel bringen lässt: Hinterher ist man immer schlauer.

          Christian Geyer-Hindemith
          Redakteur im Feuilleton.

          Was er heute verstehe, nämlich Aufklärung und Ahndung von Missbrauch als Chefsache behandeln zu sollen und von den Opfern her zu denken – das sei früher für ihn eben nicht zu verstehen gewesen, als er seine Aufsichtspflichten, den Missbrauch betreffend, aus Sicht der Gutachter gerne nach unten delegierte. Auch das jüngste Gutachten scheint Marx vor allem historisch lesen zu wollen, als Phasenmoment einer klerikalen Lerngeschichte, die seit Jahren denselben Grundbefund hergibt: „dass sexueller Missbrauch in der Kirche nicht ernst genommen wurde, dass die Täter oft nicht in rechter Weise zur Rechenschaft gezogen wurden, dass es ein Wegsehen von Verantwortlichen gegeben hat“, wie Marx nun mitteilt.

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