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Münchner Kunstfund : Cornelius Gurlitt holt sich Verstärkung

Eine Gruppe von Anwälten hat damit begonnen, die Interessen des Kunsthändlers Cornelius Gurlitt zu sichern. Als Erstes haben die Juristen Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Die Staatsanwaltschaft muss sich warm anziehen.

          Fast schon gespenstisch ruhig war es um Cornelius Gurlitt in den vergangenen Monaten. Während die halbe Welt über ihn und den „Schwabinger Kunstschatz“ sprach, seine Beweggründe analysierte und spekulierte, was er alles wusste oder zumindest hätte wissen können, hüllte sich der Einundachtzigjährige in eisernes Schweigen. Kurz vor Weihnachten wurde der gebrechlich wirkende Gurlitt unter vorläufige Betreuung gestellt und verschwand damit endgültig von der Bildfläche. Nun ist das Schweigen gebrochen, denn Gurlitt ist nicht mehr allein.

          Corinna Budras

          Redakteurin in der Wirtschaft und für Frankfurter Allgemeine Einspruch.

          Um ihn herum hat sich eine ganze Schar von Anwälten versammelt, auch ein Medienberater ist seit vergangener Woche an Bord. Das führt üblicherweise zu einer ganzen Welle von Arbeitsnachweisen, die erste Pressemitteilung in seinem Namen ging gleich am Montag heraus. „Cornelius Gurlitt: Strafanzeige gegen unbekannt im Fall des Schwabinger Kunstschatzes“. Spätestens seitdem dürfte der Staatsanwaltschaft klar sein: Sie muss sich warm anziehen. Der Wind bläst nun auch aus dieser Richtung.

          Dabei dürfte der Strafverfolgung schon seit November zum Frösteln zumute gewesen sein. Damals kam durch das Magazin „Der Focus“ die Nachricht über rund tausend Kunstwerke ans Licht der Weltöffentlichkeit, knapp sechshundert davon stehen im Verdacht, Raubkunst aus der Nazizeit zu sein. Diese hatte man im Zuge von Steuerermittlungen im Hause Gurlitt zwei Jahre zuvor beschlagnahmt. Ein Artikel des „Focus“ bietet nun auch den Anlass für den ersten Schlag, den die Anwaltsschar den staatlichen Behörden versetzen möchte. Ende Januar hatte das Münchner Magazin in der Causa noch einmal nachgelegt, diesmal mit Fotos von „Gurlitts Höhle“. Vollmundig auch die Ankündigung: „Bilder der Razzia gewähren Einblick in die wundersame Welt des Cornelius Gurlitt.“

          Verletzung des Dienstgeheimnisses

          Für seine beiden Strafverteidiger Tido Park und Derek Setz waren diese Einblicke offensichtlich zu direkt. „Im Einvernehmen“ mit dem gerichtlich bestellten Betreuer, Rechtsanwalt Christoph Edel, erheben sie den Vorwurf der „Verletzung des Dienstgeheimnisses“ und stellen Strafanzeige bei der Generalstaatsanwaltschaft München. Bisher noch gegen unbekannt, schließlich war nicht nur die Staatsanwaltschaft bei der drei Tage dauernden Wohnungsdurchsuchung im Februar 2012 zugegen. Auch Zoll- und Steuerfahndung drängelten sich in den engen Räumen. „Die Preisgabe von Ermittlungsinterna an die Presse und die damit verbundene schwere Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte sind für Herrn Gurlitt in keiner Weise tolerabel. Dies ist eine eklatante Verletzung des Dienstgeheimnisses“, gibt Strafverteidiger Park kund.

          „Unser Mandant kann kein Vertrauen in die gebotene Sachlichkeit und Integrität der Ermittlungsbehörden entwickeln, wenn diese in strafrechtlich relevanter Weise vertrauliche Ermittlungsinformationen an die Medien weitergeben“, ergänzt Derek Setz in der Pressemitteilung. Kühne Staatsanwälte hätten bis vor wenigen Wochen in diesem Vorgang noch einen hilflosen Akt der Vergeltung gesehen. Doch das dürfte sich mit der jüngsten Wendung in der Causa Uli Hoeneß geändert haben. Dort hatte der Vorwurf, Beamte hätten das Steuergeheimnis verletzt, immerhin dazu geführt, dass es im vergangenen Monat zu einer äußerst seltenen Razzia in der Finanzverwaltung selbst gekommen ist. Auf der Suche nach dem Leck über die Details der Steuerhinterziehung des Vereinspräsidenten vom FC Bayern München hatten dort Staatsanwaltschaft und Polizei einmal die eigenen Kollegen untersucht.

          Das Verwaltungsgericht Augsburg will mehr Transparenz

          Auch das Bayerische Verwaltungsgericht Augsburg bereitete der Staatsanwaltschaft vergangene Woche Probleme - mit gegensätzlichem Vorzeichen. Dort erging in einem Eilverfahren der Beschluss, die Strafverfolgungsbehörde müsse nun eine Aufstellung der Werke des Schwabinger Kunstfunds unter genauer Bezeichnung und Angabe der Abmessungen an den Reporter einer Tageszeitung herausgeben. Außerdem sollte ihm mitgeteilt werden, zu welchen Werken potentielle Eigentümer ermittelt und kontaktiert wurden.

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