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Namensforschung in München : Straßenkampf

  • -Aktualisiert am

Der Himmel über München: Was wird sich auf den Straßen verändern? Bild: Imago

Der Münchner Stadtrat hat die Überprüfung aller 6000 Straßennamen in Auftrag gegeben. Auch Kleist und Kästner tauchen unter den Verdachtsfällen historisch belasteter Namensgeber auf.

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          Was haben Heinrich von Kleist, Christoph Kolumbus, Erich Kästner, Arthur Schopenhauer, Robert Koch, Gustav II. Adolf und Franz Josef Strauß gemeinsam? Richtig: Sie sind allesamt Männer. Außerdem wurden Straßen, Alleen oder Plätze in München nach ihnen benannt. Zum Dritten finden sich die von der Landeshauptstadt einst dergestalt geehrten Herren nunmehr auf einer Liste wieder, die „problematische Straßennamen“ in München versammelt. Man reibt sich die Augen. Ist das ein Scherz? Eine Stellungnahme der Stadt bestätigt dann allerdings, dass es sich um einen amtlichen Vorgang handelt. Bereits 2016 hat München auf Anregung der SPD-Fraktion beim Stadtarchiv eine Überprüfung sämtlicher ihrer sechstausend Straßen in Auftrag gegeben.

          360 Verdachtsfälle

          Drei Jahre hat man dort, wo man doch eigentlich Lokalgeschichte erforscht, nun internationale Namenskunde betrieben. Seit Ende vorigen Jahres liegen zwei Listen vor: Sie versammeln dreihundertsechzig Straßennamen, die demnach Kommentierungs- und Kontextualisierungsbedarf beziehungsweise erhöhten Diskussionsbedarf haben. Namen der vertraulich eingestuften Listen sind inzwischen ebenso publik wie Auszüge aus den Begründungen der Verdachtsfälle. Demnach ereilt Erich Kästner, dessen Bücher von den Nationalsozialisten verbrannt wurden, der Vorwurf, Deutschland während der NS-Zeit nicht verlassen zu haben, während seine Freunde emigrieren mussten oder sich wie der Illustrator Erich Ohser das Leben nahmen. Heinrich von Kleist hat es auf die Liste geschafft wegen Rassismus im Werk, Schopenhauer wegen Misogynie.

          Dass Kolumbus für die Entdeckung eines Kontinents, wenn auch unverhofft, keine street credibility in München mehr hat, liegt fast schon auf der Hand. Dem Schwedenkönig Gustav II. Adolf wird hingegen zum Verhängnis, dass er während des Dreißigjährigen Krieges den bedrängten Protestanten half, um so gleich auch das katholische Bayern von der Landkarte zu tilgen. Das scheint man ihm in München fast noch mehr übelzunehmen als die Abertausenden Toten, die er als Feldherr zu verantworten hat.

          Der Eintrag zu Franz Josef Strauß hingegen scheint überraschend harmlos ausgefallen zu sein. Antilopenjagd in Afrika ist alles, was die Archivare über den bayerischen Machtfürsten vorbringen können? München bezeichnet die Listen mittlerweile als „Zwischenergebnis“, die den Charakter von „fachwissenschaftlichen Vorprüfungen“ hätten. Außerdem gebe es in dem laufenden Verfahren keine Festlegung hinsichtlich der Umbenennung von Straßennamen. Das Geschäft mit der Rückabwicklung der Geschichte ist heikel – nach den angelegten Kriterien würden auch Jesus und Augustinus durchfallen.

          Sandra Kegel
          Verantwortliche Redakteurin für das Feuilleton.

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