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Haus der Kunst in München : Sollen die Nazis das letzte Wort aus Stein haben?

  • -Aktualisiert am
Blick auf das Haus der Kunst in München von Norden.
Blick auf das Haus der Kunst in München von Norden. : Bild: Haus der Kunst (Homepage)

Die räumliche Wirkung der Anlage beruht wesentlich darauf, dass die grüne Randbepflanzung aus Gehölzen die zunehmend verdichtete Innen- und Vorstadt weitgehend verbirgt. Die innerstädtischen Türme und Kuppeln sind als Bild der Metropole inszeniert. Ihr Anblick erscheint als Silhouette hinter dem umlaufenden Grüngürtel. Dass diese Situation als touristische Attraktion noch heute ihre Wirkung entfaltet, zeigt der Rummel beim Monopteros. Auf Sckells weitsichtige und kompetente Planung gehen nicht nur Gartenanlagen, sondern auch wesentliche Impulse für die urbanistische Entwicklung Münchens auf der Schwelle zur modernen Metropole zurück.

Situation des Englischen Gartens

Den Standort des „Hauses der deutschen Kunst“ hatte Hitler ausgewählt. Der Neubau zerstörte einen nicht unbeträchtlichen Teil des Englischen Gartens. Den politischen Verhältnissen war geschuldet, dass ein Protest der Bevölkerung nahezu ausblieb. Der Architekt Troost selbst, der am Englischen Garten wohnte, soll sich gegen den von Hitler geplanten noch größeren Eingriff gewandt haben. Vom Café des „Hauses der deutschen Kunst“ war eine breite Blickschneise zum Monopteros geschlagen worden. Dieser aus Sicht der künftigen Cafépächter verständliche Wunsch wird jetzt von Chipperfield erneut in Vorschlag gebracht.

Im Zuge der Renovierung des Gebäudes soll auch der Parkplatz auf der Gartenseite verschwinden. Tatsächlich ist eine Aufwertung dieses zum Park hin durch Gehölze abgeschirmten Außenbereichs eine wichtige Maßnahme im Bemühen, das Gebäude zur Geltung zu bringen. Dagegen müsste eine Öffnung mit Blickfenstern etwa zum Monopteros den Charakter und die Erscheinung des Parks empfindlich beeinträchtigen.

Mit der Eröffnung des nationalsozialistischen Ausstellungshauses erhielt der Englische Garten 1937 einen Orientierungs- und Blickpunkt, den er nach dem Konzept seiner Erfinder niemals hätte haben sollen. Dieser Eingriff ist in den Jahrzehnten seit Kriegsende durch die Gärtenabteilung der Bayerischen Verwaltung der Staatlichen Schlösser, Gärten und Seen mit Nachpflanzungen nach historischem Vorbild rückgängig gemacht worden. Die Situation hat sich zudem durch die Errichtung des Japanischen Teehauses, eines Geschenks an die Stadt aus Anlass der Olympischen Spiele, verändert.

Garten Teil des „Münchner Kulturkapitals“

Schon Sckell hatte 1808 mangelnden Respekt vor dem Englischen Garten beklagt: „Möchten doch einmal die Grenzen dieser schönen Anlage, die leider schon mit so vielen gemeinen Bauten und hässlichen Einfassungen umgeben sind, mit ihren Bächen in Ruhe gelassen und nicht immer benaget, verunstaltet und herabgewürdiget werden!“ Dennoch sind die Begehrlichkeiten groß, den Park zu „benagen“. Während der vom Stadtrat beschlossene, durch Spenden zu finanzierende Tunnelbau zur Zusammenführung des nördlichen und des südlichen Parkteils unter dem Motto „Ein Englischer Garten“ eine große öffentliche Zustimmung zur Wiederherstellung der Integrität der Anlage zeigt, forcieren Staatsregierung und Oberbürgermeister gleichzeitig den Ausbau einer querenden Trambahntrasse: eine Infragestellung quer durch die politischen Parteien und Instanzen.

Politisch wäre damit sozusagen schon die Bresche geschlagen für die von der Direktion offenbar gewünschte Öffnung zum Haus der Kunst. Der Englische Garten, den der Kunsthistoriker Adrian von Buttlar zum „Münchner Kulturkapital“ zählt, sollte als historisches Gartendenkmal und als grüner Erholungsraum für die Münchner und ihre Gäste respektiert werden.

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