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Muehls Kommunen-Kunst : Einfach nur widerwärtig

  • -Aktualisiert am

Bei der Eröffnung einer großen Retrospektive hat sich Otto Muehl brieflich bei den Opfern seiner Missbrauchstaten entschuldigt, die er in einer Kommune begangen hatte. Das ändert nichts daran, dass seine Kunst nicht in ein Museum gehört.

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          Es klingt nur leise nach Reue, wenn bei der Eröffnung einer großen Otto-Muehl-Ausstellung im Wiener Leopoldmuseum ein Rechtfertigungsbrief des Künstlers, der ein paar Tage vor seinem 85. Geburtstag in Portugal lebt, verlesen wird. Der Autor entschuldigt sich darin für den sexuellen Missbrauch, den er als Häuptling einer Landkommune in den achtziger Jahren Kindern seiner Adepten zugefügt hat.

          Notabene, Muehl ist nach seinen Päderastietaten im burgenländischen „Friedrichshof“ und später diversen Ablegern im Süden wegen „Unzucht mit Unmündigen“ 1991 zu siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt worden, von denen er einen Großteil bis zu einer Amnestie sogar hat absitzen müssen. Gegen das libertinistische Milieu, in dem die sexuelle Selbstverwiklichung auf Kosten Wehrloser lange sogar als befreiende Tat verkauft wurde, ist das immerhin eine rechtstaatliche Antwort.

          Die Zynismen einer Menschenformung

          Doch hatte es Muehl bisher nicht für nötig befunden, sich für sein tyrannisches System bei den Opfern zu entschuldigen. Auch dass seine Sammler nicht kampflos von Muehls obszön-expressiver Kunst abrücken würden, war schon allein wegen des daraus erwachsenden Werteverlustes zu erwarten. Die Opfer der Muehl-Kommune wurden von der Sammlerfamilie Leopold nun zwar weise in die Vorbereitung der Schau einbezogen, wehren sich aber vehement gegen die zu erwartende Mystifizierung des autoritären Gurus Muehl und stellen die von den Veranstaltern beschworene Trennung von Künstlerbiographie und Kunst zu Recht in Abrede.

          Wenn Muehl, vom Museum heuchlerisch als parkinsonkranker Alter im Exil abgeschildert, nun schreibt, er sei wohl „als Übervater von 100 Kindern“ zuweilen „zu scharf“ gewesen, ändert diese Geste bei genauem Hinsehen nichts an der Tatsache, dass die großflächige Projektion seiner Werke im Stadtbild, dass seine Jubelfeier, dass seine Kommunenkunst an sich nichts anderes bedeuten als einen Skandal.

          Muehl ist außer einem Fall für die Polizei kein Fall fürs Museum, sondern für die Zeithistorie, weil an seiner Künstlerbiographie die Gefahren und Zynismen einer Menschenformung über den modernen Exzess deutlich werden. Die Opfer, die bei dieser fröhlichen Entgrenzung anfielen, waren Muehl und seinen Adepten so egal, dass diese sogar für erotische Kunstwerke missbraucht wurden. Dass, wenn auch spät, der Preis dieses schrankenlosen Libertinismus in Gestalt zerstörter Lebensläufe und lebenslanger Traumata endlich nachhaltig benannt wird, ist ein Gewinn – egal ob bei der verschwitzt-katholischen, bei der platonisch-„reformorientierten“ oder bei der urwaldwild-transgressiven Pädagogik. Dass man Muehl nun aber trotzdem für museumsreif erklärt, wirkt einfach nur eklig.

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