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Mozarts „Zauberflöte“ : Geläufige Gurgeln

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Worum es in Mozarts "Zauberflöte", der erfolgreichsten Oper der Musikgeschichte, geht, hat noch niemand genau ergründen können. Vielleicht hängt damit aber ein Teil ihres Erfolges zusammen.

          Worum es in Mozarts "Zauberflöte", der erfolgreichsten Oper der Musikgeschichte, geht, hat noch niemand genau ergründen können. Vielleicht hängt damit aber ein Teil ihres Erfolges zusammen. So hat Achim Freyer für seine Salzburger Inszenierung im Jahre 1999 eine Zusammenfassung gegeben, die das Geheimnis entziffert, ohne es zu lüften: "Ein Jüngling, nach Erkenntnis suchend, entdeckt auf den verschlungenen Pfaden der Nacht die Liebe. Mit Hilfe einer Zauberflöte gerät er vor die Tore Natur, Vernunft, Weisheit und beschreitet gefährliche Prüfungswege, die sein Reisegefährte für ein einfaches Glück beizeiten verläßt. Der Jüngling aber wandelt mit seiner Geliebten durchs Feuer und Wasser, um ins Heiligtum des größten Lichts zu blicken."

          Freyer weiß natürlich, daß die Oper einen Subtext besitzt: Mozart gehörte den Freimaurern an, einer Vereinigung, die wegen ihrer egalitären und libertären Tendenzen beargwöhnt wurde. Kaiser Leopold II. versuchte in Österreich von 1795 an, das Freimaurertum systematisch zu unterdrücken. Die Autoren der "Zauberflöte", Mozart und sein Textdichter Emanuel Schikaneder, ebenfalls Freimaurer, haben deshalb freimaurerische Symbole verschlüsselt. Die "Zauberflöte" - ein Machwerk also, wie es schon Hegel sah? Auch das. Aber oft sind es gerade die abstrusen, nichtlinearen Plots, welche die Phantasie beflügeln und eine inspirierte Musik erst richtig zum Leuchten bringen. Möglicherweise hat es deshalb auch so viele, ästhetisch durchaus nebeneinander bestehende Deutungen der "Zauberflöte" gegeben. In Houston etwa hat Maurice Sendak das Werk inszeniert, als sei es ein Märchen der Brüder Grimm - grausam, böse und zugleich phantastisch liebenswert. Maler wie Marc Chagall und David Hockney schufen Bühnenbilder, und bis heute behauptet sich "Die Zauberflöte" als Mysterienspiel und Kasperletheater, politisch-soziale Parabel und Menschheitsdrama - sogar im Kino in Ingmar Bergmans Film von 1974.

          Man hat die Arbeiten des Bühnen- und Kostümbildners sowie späteren Schauspiel- und Opernregisseurs Axel Manthey als "Theater der Zeichen" beschrieben. In Verbindung von Abstraktion und Allegorie, im Wechsel von Intuition und Kalkül entsteht ein System emblematischer Chiffren, das gegen das Illusionstheater wie gegen den Psychologismus gerichtet ist. Auch für seine Ludwigsburger Inszenierung der "Zauberflöte" (1992) schuf Manthey eine Dramaturgie der klaren Farben und Formen, die sich auf raffinierte Weise mit Mozarts Musik mischen. Seine überdimensionalen Zeichen und typisierten Figurinen erscheinen als eine Art zweite Naivität, sie verleihen der Inszenierung zugleich einen Gestus von Unmittelbarkeit und schaffen kritische Distanz. Wolfgang Gönnenwein führte Chor und Orchester der Ludwigsburger Schloßfestspiele souverän. Und einige aus dem Gesangsensemble, Ulrike Sonntag als Pamina oder Deon van der Walt als Tamino etwa, können aufgrund ihrer von Mozart geforderten "geläufigen Gurgeln" bei allen Koloraturen und Kantilenen mit den Größten mithalten.

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