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Playlists : Geht mit Musik wirklich alles leichter?

  • -Aktualisiert am

Der richtige Sound zur richtigen Zeit, darauf lautet das Versprechen der Playlists. Bild: obs

Es braucht nur den richtigen Soundtrack, schon klappt es mit der Konzentration und motiviertem Arbeiten. Das versprechen Musik-Streamingdienste mit ihren Playlists. Wenn es so einfach wäre!

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          Die Welt des Musik-Streamingportals Spotify ist doch voller Wunder. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass unter den aktuellen Top Ten der beliebtesten Playlists – für noch analog komponierte Zeitgenossen: So heißen die digitalen Nachfolger der Musikkompilationen auf Kassetten – Zusammenstellungen wie „Summer Party 2014“ (warum?!) und „Ultimate Country“ stehen? An der Spitze befindet sich, etwas einfallslos „Today’s Top Hits“; weiter unten teilt sich die Hörerschaft in zwei Lager: diejenigen, die den Pulsschlag beschleunigen wollen („Hip Hop Monsters“, „Cardio“, „Mood Booster“), und diejenigen, denen der Sinn nach Entschleunigung steht („Your Favorite Coffeehouse“, „Weekend Hangouts“).

          Was zeigt: Spotify ist nicht einfach ein Musiklieferdienst, sondern eine Emotionssteuerungsmaschine. Und am pflichtbewusstesten starten sie die Arbeitsamen, die – womöglich nun öfter zu Hause, als ihnen lieb ist – Motivations- und Konzentrations-Playlists anklicken, um den Soundtrack für vermeintlich maximale Produktivität zu starten.

          Das britische Onlinemarketing-Unternehmen Onebuy hat sich nun in einer Studie mit dreitausend Teilnehmern der Frage gewidmet, was diese mutmaßlich motivierenden oder die Konzentration fördernden Kompilationen bringen. Zu Klängen der Spitzen-Songs aus den beiden Playlist-Kategorien mussten die Probanden eine Reihe vorgegebener Aufgaben erfüllen, und es stellte sich heraus: Zu viel Motivation ist gar nicht gut für die Produktivität. „I’m so excited“ von den Pointer Sisters etwa taucht regelmäßig in Motivations-Playlists auf, hilft auch garantiert dabei, morgens aus dem Bett zu kommen, sorgt aber der Studie zufolge dafür, dass man am Schreibtisch kaum noch etwas zustande bekommt.

          Überhaupt lasse motivierende Musik die Produktivität sinken – dann doch besser keine Musik. Oder konzentrationsfördernde: mit „Cruel World“ von Lana Del Rey liefe alles wie geschmiert. Die wenig überraschende Daumenregel: Je mehr Beats pro Minute, desto weniger Konzentration, desto schlechtere Arbeitsbedingungen. Tja, wenn das so einfach wäre. Es soll Menschen geben, die bei Lana Del Reys über die Takte gummiartig hinweg gedehnter Melancholie Aggressionen bekommen. Oder deren Adrenalinspiegel in die Höhe schnellt, sobald jemand angeblich doch so pazifizierende Panflötenmusik anstimmt. Oder entspannende Mystic-Sounds mit eingewobenen Naturgeräuschen. Am besten, man stellt sich seine eigene Playlist zusammen.

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

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