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Moskau im Kaufrausch : Die Nacht der großen Tüten

  • -Aktualisiert am

Mode in Moskau: Extravagant und glamourös Bild: dpa

Zur spätsommerlichen „Fashion night out“ schwelgt die Moskauer Gesellschaft im Kaufrausch. Zwischen dem Nobelkaufhaus ZUM und der edlen Petrowski-Passage hinterm Bolschoi- Theater promenieren die schönsten Frauen und elegantesten Herren durch die laue Nacht.

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          Nach dem neuen Schuljahr wurde in Moskau auch die Shoppingsaison eröffnet. Zur spätsommerlichen „Fashion night out“, die von den exklusivsten Boutiquen der Hauptstadt soeben zum dritten Mal begangen wurde, traf sich die bessere Gesellschaft, um zu sehen, gesehen zu werden, etwas für arme Waisenkinder zu tun, vor allem aber, um bis ein Uhr nachts einzukaufen, damit die Wirtschaft auf Touren kommt. Das von dreizehn „Vogue“-Chefredakteuren initiierte Kauffest, das auch anderen Modemetropolen bevorsteht, soll Frauen wieder Lust an der Mode machen und Krisentrübsal abzuschütteln helfen, erklärte die Chefin der russischen „Vogue“, Aljona Dolezkaja.

          Kerstin Holm
          Redakteurin im Feuilleton.

          Und wirklich: Zwischen dem Nobelkaufhaus ZUM und der edlen Petrowski-Passage hinterm Bolschoi- Theater promenieren die schönsten Frauen und elegantesten Herren wie zum Ball zurechtgemacht durch die laue Nacht, während ihre Fahrer in elfenbeinweißen oder obsidianschwarzen Luxus-Jeeps, die in Zweierreihen parken, auf sie warten. Dem Flaneur wird vorgeführt, was diesen Herbst aktuell ist: viel Schwarz, gern mit Tüll und Spitze, dazu golden und silbern schimmernde Accessoires.

          Ein Jüngling hat zum schmalen schwarzen Anzug eine große weiße Brille aufgesetzt und lässt die Hosenträger bis zum Knie hängen. Dafür ist die Stimmung gehoben. Bei Louis Vuitton und UGG-Sportkleidung wird Champagner gereicht. Bei Max Mara, Kenzo, Iceberg ziehen sich die Schlangen vor der Kasse rund durch den Geschäftsraum.

          Russische Frau in Moskau
          Russische Frau in Moskau : Bild: AFP

          Königinnen der Nacht

          Garderobe, die endlose russische Winterabende erleuchtet, findet man bei Moschino im GUM am Roten Platz: perlenbesetzte Stricktops, dazu ein goldgewirkter Mantel mit hellem Nerzkragen. Einige Mamas sind mit ihren Kindern unterwegs. Wie jene zierliche Blondine mit langem Rock und Riesenhaarschleife aus schwarzem Tüllkrepp, deren weißgewandetes Töchterchen goldnietenbesetzte Schuhe trägt wie sie. Solche gibt es beim Kinderausstatter I Pinco Pallino, aus dessen Fenster man auf den Kreml blickt und wo statusbewusste Eltern dem Nachwuchs Brokatkaftane, Silberröckchen oder Jeans mit Goldpailletten anprobieren.

          Selbst ans Karma ist gedacht. An Lotterieständen kann man für fünfzig Euro graubeige Sacktaschen erwerben, bedruckt mit einem Foto des Supermodels Natascha Poly, die in dieser ganz speziellen Nacht angeblich hier irgendwo leibhaftig herumläuft. Die Taschenverkaufserlöse sollen bedürftigen und kranken Kindern zugutekommen. Unterdessen umschwärmen den Besucher des ZUM schöne junge Frauen, die ihm immer neue Parfumproben überreichen. Zwei Dutzend Make-up-Künstler verwandeln Kundinnen in Königinnen der Nacht.

          Gegen Mitternacht wird es ruhiger, doch die Damen mit Stehvermögen und voluminösen Tüten grüßen einander lachend, wie Verwandte. Von drei Grazien, die aus der Petrowski-Passage treten, hat eine den Sektkelch noch dabei. In Paris, verrät sie, das Glas schwenkend, ihren Freundinnen, habe sie nie eine vergleichbare Party erlebt.

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