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Monika Marons neue Erzählung : Herzerwärmend auf den Hund gekommen

Monika Maron im Jahr 2016 Bild: dpa

Gespannt erwartet und schon da: Monika Marons neues Buch „Bonnie Propeller“, erschienen beim neuen Verlag Hoffmann und Campe macht einen Bogen um Politik und erzählt von einem Hundeleben.

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          Rede da noch jemand von der angeblichen Gemächlichkeit klassischen Büchermachens! Noch keine vier Wochen ist es her, dass der Verlag Hoffmann und Campe mitteilte, dass die künftigen Bücher von Monika Maron bei ihm erscheinen werden, und schon ist das erste zu kaufen: „Bonnie Propeller“, eine schmale Erzählung von nicht einmal fünfzig Seiten für den stolzen Preis von fünfzehn Euro. Das sind Handke-Verhältnisse, also gewissermaßen Nobelpreisaufschlag, wobei der kommerzielle Ritterschlag für Monika Maron sich einem Nackenschlag verdankt: Im Oktober hatte sich ihr bisheriger Verlag S.Fischer nach fast vierzig Jahren von der Schriftstellerin getrennt, weil er das wechselseitige Vertrauensverhältnis dadurch zerstört sah, dass sie eine kleine Essaysammlung in einer aus Verlagssicht unliebsamen, weil von politisch rechter Seite vertriebenen Buchreihe erscheinen ließ (F.A.Z. vom 21. und 22. Oktober).

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Dadurch ist die Neugier auf das neue Büchlein angeheizt worden, bei dem man sich wundern mochte, dass es so knapp nach dem erst im August erschienenen Fischer-Letztling, dem Roman „Artur Lanz“, als Manuskript bereitlag. Zumal die Handlung von „Bonnie Propeller“ fast bis an die unmittelbare Gegenwart heranerzählt. Monika Maron muss es auf den Nägeln gebrannt haben, diesen Text zu schreiben.

          Doch wer ein politisches Buch erwartet hatte (was „Artur Lanz“ mit seiner Beschwörung von Zivilcourage durchaus ist), der wird enttäuscht: Maron erzählt erkennbar autobiographisch über ihren neuen Hund, jene Bonnie Propeller des Titels, die von der Ich-Erzählerin, einer wie Maron 1941 geborenen namenlosen Schriftstellerin, nach dem Tod des Vorgängers bei einer Fundhund-Vermittlung aufgestöbert wird, aber zunächst die Erwartungen enttäuscht. Wie sich dann doch Begeisterung fürs ebenso tiefbeinige wie hochbegabte Tier einstellt, das ist herzerwärmend zu lesen.

          Überlegungen zur Möglichkeit eines Hundes

          Hunde, so erfahren wir gleich zu Beginn des Buchs, brauchen für die Erzählerin nichts zu wissen vom Dreißigjährigen Krieg. Anders also als im Fall der Krähe Munin aus dem gleichnamigen vorletzten Maron-Roman. Die Anschaffung eines Hundes spielte schon in der 2004 veröffentlichten Poetikvorlesung „Wie ich ein Buch nicht schreiben kann und es trotzdem versuche“ eine zentrale Rolle: mit seitenlangen Erörterungen über Hunde in der Literatur, und die Überlegungen zur Möglichkeit eines Hundes in zukünftigen Texten Marons stehen darin gewissermaßen exemplarisch für  nicht realisierte Erzählungen. Ein Zitat daraus: „Die angeführten Beispiele beweisen zwar die Literaturfähigkeit des Hundes im Allgemeinen, sagen aber noch nichts über die Literaturfähigkeit meines Hundes, die erst im Text zu beweisen wäre. Kein Hunderoman; auch nicht der Hund als Geisel menschlichen Verhängnisses, sondern? Der Hund als Fragezeichen hinter der eigenen Sinn- und Glücksvorstellung vielleicht, als Konfrontation mit dem kreatürlichen Anteil in uns selbst.“

          „Bonnie Propeller“ führt also eine bei Maron schon seit dem Roman „Endmoränen“ (2002, auch dort die Anschaffung eines Hundes) latente Tierthematik fort, setzt aber auf instrumentelle statt intellektuelle Vernunft. Es ist ein mehrheitsfähiges Buch dank Harmlosigkeit. Aber die leicht Erregbaren unter Monika Marons Verächtern können beunruhigt sein: Einmal fällt in „Bonnie Propeller“ der Begriff „Corona-Regime“, und ein paar Seiten der Frauchen-Hündchen-Geschichte spielen im und ums Dresdner Buchhaus Loschwitz, dessen Publikation des erwähnten Essaybandes den Anlass für S.Fischer dargestellt hatte, sich von seiner Autorin zu trennen.

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