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Mongolische Post : Oase.Wort.Gabel

  • -Aktualisiert am

Und was, wenn sie etwas bei Ebay bestellt? Dank der neuen mongolischen Adressen kein Problem! Bild: dpa

Die Mongolei stellt ihr Postsystem auf einen Drei-Wörter-Code um. Das ist im Land der Hirten und Jurten ziemlich sinnvoll – und eröffnete für Deutschland ungeahnte lyrische Möglichkeiten.

          Ziemlich viele Mongolen wohnen, wie jeder weiß, in Jurten. Darin essen sie bröselige Chips aus vergorener Milch, aber das sei nur nebenbei bemerkt, ansonsten ist an dieser Lebensweise nichts auszusetzen. Die Jurten stehen im weiten Grasland herum, wo man sich mit Pferden oder chinesischen Motorrädern fortbewegt. Der Strom kommt aus dem Windrädchen, und die Mobilfunknetzabdeckung ist mangels erwähnenswerter Hindernisse ganz ausgezeichnet.

          Jetzt hat die Mongolei nur ein Problem: Was, wenn der Jurtenbewohner Post bekommen soll? Jurten stehen nicht an einer Straße, sondern irgendwo im Nirgendwo, also dort, wo das Vieh grast, und sie haben demnach keine Adresse. Nicht einmal in Ulan Bator haben alle Straßen Namen. Menschen ohne Adresse können allerdings keine Konten eröffnen und nichts im Internet bestellen. Das sind ziemlich valide Argumente contra Jurte.

          Was könnte man damit alles abschaffen!

          Nun gibt es aber ein britisches Start-up, das die gesamte Welt in 57 Billionen (ja, Billionen) Kästchen von drei mal drei Meter eingeteilt und jedem Kästchen eine Kombination aus drei Wörtern verpasst hat. „what3words“ heißt das Unternehmen. Die Mongolei ist das erste Land der Welt, das sein Adresssystem offiziell auf dieses Rastersystem umstellt. Von Juli an steht die amerikanische Botschaft nicht mehr in der Denver Street 3 im 11. Micro-District von Ulan Bator, sondern schlicht in „constants.stuffy.activism“. Das klingt hübsch und aktivistisch, und man kann es sich gut merken.

          Was kann man damit alles abschaffen! Die ständige Verwirrung angesichts Berliner Hausnummern etwa: Das Reichstagsgebäude in Berlin ist unter „heirat.gans.eisbären“ sofort zu lokalisieren, der Suhrkamp Verlag unter „ernähren.ausübte.pumpe“. Da hat man als lyrikaffiner Mensch sofort Bilder im Kopf, die man nie wieder loswird.

          Wunderschön auch die Nomenklatur Frankfurter Immobilien: Wer am Hauptbahnhof aussteigt, kommt an „einzeln.besagte.buch“ an, was für eine Buchmessestadt ja wohl das mindeste ist, das Städel logiert romantisch und stiftungsgerecht bei „schenken.schwärme.vorher“, am Flughafen landet man in „rechtsschutz.aufgezeichnet.lesung“. Der Provinzflughafen Hahn mit seiner Baumarktarchitektur steht konsequenterweise unter „unvollendet.zapfen.überall“, und, apropos unvollendet: „ewige.fördert.piepen“ liegt natürlich mitten im Terminal des ewig Piepen verschlingenden BER-Terminals.

          Natürlich würde sich, stellte Deutschland seine Adressen nach mongolischem Vorbild um, auch die Adresse ändern, an die Sie, liebe Leser, Ihre Post richten: „tänzerin.ordern.hirte“ ist die ganz und gar arkadische Anschrift unseres kleinen Zeitungsidylls. (Die Kantine liegt übrigens ungefähr bei „oase.wort.gabel“.)

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