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Mohammed-Karikaturen : Ist der „Kampf um die Meinungsfreiheit“ verloren?

  • Aktualisiert am

Boykott dänischer Produkte in einem Supermarkt in Amman, Jordanien Bild: REUTERS

Die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ hat den „Kampf um die Meinungsfreiheit“ durch Veröffentlichung von Karikaturen des Propheten Mohammed für verloren erklärt. Andere Blätter dagegen drucken nun die Bilder nach - darunter die deutsche „Welt“.

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          Die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ (JP) hat den von ihr in betriebenen „Kampf um die Meinungsfreiheit“ durch Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen für verloren erklärt.

          Chefredakteur Carsten Juste sagte am Mittwoch nach massiven Straßenprotesten, Boykottaktionen sowie regierungsamtlichen Angriffen aus arabischen Ländern wegen der Zeichnungen in einem Interview mit „Berlingske Tidende“: „Ich muß zutiefst beschämt zugeben, daß die anderen gewonnen haben.“ Er hätte vor vier Monaten niemals die Zustimmung zum Abdruck der Zeichnungen gegeben, wenn ihm die Folgen damals schon klar gewesen wären.

          „Nicht steuerbare Elemente“

          Dänemarks Ministerpräsident Anders Fogh Rasmussen meinte ebenfalls in „Berlingske Tidende“, sein Land müsse es nun „mit nicht steuerbaren Kräften“ aufnehmen. „Es erfordert einen ganz besonderen Einsatz, um diese wieder dämpfen zu können“, sagte Rasmussen weiter. Er warnte vor allen Aktionen gegen muslimische Zuwanderer in Dänemark. Das Fernsehen berichtete dazu von per SMS verbreiteten Boykottaufrufen gegen islamische Geschäfte, hinter die sich auch zwei prominente Abgeordnete der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei (DVP) stellten. Diese agiert parlamentarisch als Mehrheitsbeschaffer für die Minderheitsregierung von Rasmussen.

          Demonstration für Meinungfreiheit: Mohammad-Karikaturen in „France Soir”
          Demonstration für Meinungfreiheit: Mohammad-Karikaturen in „France Soir” : Bild: dpa/dpaweb

          Die französische Boulevardzeitung „France-Soir“ hingegen hat am Mittwoch die zwölf umstrittenen Karikaturen des Propheten Mohammed aus „Jyllands-Posten“ nachgedruckt. „Ja, man hat das Recht, Gott zu karikieren“, hält das Blatt auf seiner Titelseite fest. Man könne von den Karikaturen halten, was man wolle, sie seien jedoch in keinerlei Weise rassistisch gemeint oder setzten eine Gemeinschaft herab, schreibt „France-Soir“. In der Kontroverse um die Karikaturen gehe es um das „Gleichgewicht“ zwischen dem Respekt von religiösen Überzeugungen und der Meinungsfreiheit in der Demokratie.

          „Erpresserischer Druck“

          Auch die deutsche „Welt“ druckte am Mittwoch einzelne Karikaturen und machte das Thema zu ihrem Aufmacher. „Fatalerweise kapitulieren jetzt die Dänen unter dem erpresserischen Druck“, schreibt Chefredakteur Roger Köppel in seinem Leitartikel. „Man sollte den Fall nicht zum Kulturkampf stilisieren, schließlich gibt es tatsächlich eine Schamschwelle satirischer Verhunzung, die in Religionsfragen nicht überschritten werden sollte. Der von den Moslems angelegte Maßstab freilich überfordert die offene Gesellschaft.“

          Auch andere Zeitungen warnen vor Eingriffen in die Freiheitsrechte. „Vorsicht mit der Satire! Die Mohammed-Karikaturen waren wahrscheinlich von schlechtem Geschmack und stellten eine Provokation dar, für die die dänische Wirtschaft einen hohen Preis zahlen muß. Aber sie dürfen zu keiner Einschränkung der Pressefreiheit führen, die über die gesetzlichen Regelungen hinausgeht“, kommentiert „El País“ (Spanien). „Ein trauriger Kniefall vor dem religiösen Despotismus“, schreibt „De Volkskrant“ (Niederlande). „Es sieht danach aus, als wollten die arabischen Länder den Konflikt mit Dänemark und in der Folge auch mit Europa auf die Spitze treiben. Ein gefährliches Spiel“, meint „De Morgen“ (Belgien).

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