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Models stellen Selbsttötungen nach : Freitod-Fashion

Ein Model kniet vor dem Gasherd, eines steht mit einem Stein im Arm im Fluss: Für eine Modestrecke ließ das amerikanische Magazin „Vice“ den Freitod bekannter Autorinnen nachstellen. Was als Kunst gemeint sein soll, verrät die Kunst.

          Für sein Juniheft hat sich das New Yorker Magazin „Vice“ etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Dem Schwerpunkt „Fiction“ gemäß sind die Models der Modestrecke in die Rollen von sieben berühmten Schriftstellerinnen geschlüpft. Sie tragen Kleidung der Marken Suno, Vivienne Tam oder Issa und werden als Virginia Woolf, Dorothy Parker oder Sylvia Plath ausgewiesen. Die Fotografin Annabel Mehran hat sie außerdem in Posen aufgenommen, die an eine Gemeinsamkeit dieser Autorinnen erinnern: Sie alle haben sich das Leben genommen. Oder es zumindest - wie Dorothy Parker - wiederholt versucht.

          Ein Model kniet vor dem Gasherd, eines richtet einen Revolver auf sein Gesicht, eines hält einen Stein in den Armen und steht bis zu den Waden in einem Fluss. Ein kleiner Steckbrief vermerkt Geburts- und Sterbedaten, Todesalter und -art der Frauen, die Bildunterschrift wie üblich die Hersteller der Kleidungsstücke. Jetzt wissen die „Vice“-Leser, wann die Verzweiflung im Leben einer gewissen Virginia Woolf überhandnahm, ihre Bücher allerdings werden nicht einmal beim Namen genannt. „Orlando“ oder „Mrs. Dalloway“, „Die gelbe Tapete“ von Charlotte Perkins, Sylvia Plaths „Glasglocke“, die Gedichte Elise Cowens’ - was sind diese Werke schon gegen die Gelegenheit, Schneiderkunst mit echter Verzweiflung und Vergänglichkeit aufzuwerten, mit Namen, hinter denen man die nicht selten erschütternde Geschichte psychischer Erkrankung mehr erahnt als erkennt? Diese Namen mit elegischen Frauengestalten zu verknüpfen, die offenbar selbst im Moment der Ausweglosigkeit noch auf ihre Garderobe achten?

          Das makabre Spiel mit der Geschmacklosigkeit ist uns in der doch eigentlich für den guten Geschmack brennenden Modebranche seit langem vertraut: Werbeplakate zeigten eine blutgetränkte Uniform oder ein mit einem Tuch verdecktes Anschlagsopfer. In Erinnerung ist die Werbung der Modemarke Benetton, die in den neunziger Jahren für harsche Kritik sorgte. „Vice“, das sich gern rauhbeinig gebende Magazin, hat mit seiner Modestrecke jetzt offenbar selbst für seine hartgesottenen Leser eine Grenze überschritten: Nach heftigem Protest sind die Bilder aus dem Netz verschwunden, und die Redaktion entschuldigt sich bei allen, deren Gefühle sie verletzt haben könnte. Aber nicht ohne auf den künstlerischen Wert ihrer Idee zu verweisen. Dass sie damit das Schicksal dieser Frauen instrumentalisiert und deren künstlerisches Schaffen abwertet, bleibt unerwähnt.

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