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Kolumne von Emanuel Derman : Schopenhauer ist AAA

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Es kann viel passieren

Sie können stets mit mehr oder weniger risikolosen Erträgen rechnen, wenn Sie Staatsanleihen eines scheinbar soliden Landes wie der Vereinigten Staaten oder Deutschlands kaufen. Sie geben diesen Ländern einhundert Dollar oder Euro, und die werden Ihnen in einem Jahr das Kapital samt Zinsen zurückzahlen. Im Augenblick zahlen sie Ihnen gerade einmal null Prozent Zinsen, dank der Niedrigzinspolitik der Zentralbanken, die den Zinssatz nach ihren Bedürfnissen manipulieren.

Die erste wichtige Erkenntnis der Finanztheorie lautet daher: Wenn Sie mehr als null Prozent Zinsen bekommen wollen, müssen Sie ein Risiko eingehen. Statt das Geld einem Staat zu leihen, könnten Sie zum Beispiel Aktien der Deutschen Bank kaufen und hoffen, mehr zu verdienen, zum Beispiel zehn Prozent über das nächste Jahr. Aber es kann viel passieren, weshalb die Erträge der Deutschen Bank volatil sind und von Jahr zu Jahr fluktuieren. In einem Jahr mag sie Gewinne von dreißig Prozent, in einem anderen Verluste von zehn Prozent erwirtschaften, wobei der Durchschnitt bei zwanzig Prozent liegt.

Die entscheidende und hier ohne weiteren Beweis behauptete Konsequenz des Prinzips, wonach es keine gänzlich kostenlosen Mahlzeiten gibt, liegt nun darin, dass man aus riskanteren Investitionen größere Ertrage erwarten darf. Die Erträge verhalten sich proportional zum Risiko.

Eine kräftige Dosis ehrliches Beta

Alpha und Beta sind raffinierte Quant-Metaphern. Beta ist das, was Sie im Leben oder beim Aktienkauf erhalten, wenn Sie blind Risiken eingehen und einfach bereit sind, Lotterie zu spielen. Alpha steht dagegen für Talent oder Fähigkeiten, für den Teil des Ertrags, der über bloßes Glücksspiel hinausgeht und auf Geschicklichkeit basiert - also eine Qualität, für die Sie bereit sein sollten, etwas zu zahlen. Hedgefonds werden danach beurteilt, ob sie über Alpha verfügen - also ob sie größere Erträge erwirtschaften, als dies für das Risiko, dem sie Sie aussetzen, normal wäre.

Wenn Sie ein männlicher Trader sind und Ihren Kollegen sagen möchten, Sie hätten ein Mädchen getroffen, das nicht nur weiblich, sondern auch etwas recht Besonderes ist, können Sie in Espequanto sagen: „Leute, macht euch nichts draus! Ihr werdet immer nur Beta finden, aber ich habe jemanden mit massenhaft Alpha gefunden.“ Und die könnten Ihnen antworten: „Ach ja, Alpha ist nie von Dauer. Das ist nur eine kurze Illusion. Mir reicht eine kräftige Dosis ehrliches Beta, das ist mir lieber.“

Das Risiko beim Aktienkauf liegt darin, dass die Kurse nach dem Kauf steigen oder fallen können. Sie gewinnen einen Dollar für jeden Dollar, den der Kurs steigt, und Sie verlieren einen Dollar für jeden Dollar, den er fällt. Gierige Leute könnten nun fragen: „Gibt es keine Möglichkeit, in jedem Fall Gewinn zu erzielen?“

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