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Kolumne von Emanuel Derman : Schluss mit der Manipulation!

  • -Aktualisiert am

Bild: Kat Menschik

O tempora, o mores! Über die Schwierigkeit, Amerikaner zu sein, während der NSA-Skandal ans Tageslicht kommt, bevormundende Modelle unser Verhalten manipulieren und die Regierungsparteien handlungsunfähig sind.

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          Ich lebe lieber in den Vereinigten Staaten als in Putins Russland oder unter der Herrschaft des Milliardärsclubs des „kommunistischen“ Politbüros Chinas. Dennoch hat die Seele in diesen Tagen in Amerika zahlreiche Insektenstiche zu ertragen.

          Die Verurteilung Snowdens: Präsident Obama hielt eine Pressekonferenz ab, auf der er sich für größere Transparenz und eine stärkere Kontrolle der staatlichen Überwachungsaktivitäten einsetzte. Zugleich aber verurteilte er Snowden. Man müsste blind und taub sein, wenn man nicht bemerkte, dass es ohne Snowdens Enthüllungen niemals zu der ganzen Aufmerksamkeit Obamas und des Kongresses für die NSA gekommen wäre. Aber nicht nur Obama, auch die „New York Times“ reagiert auf die Botschaft mit dem Wunsch, den Übermittler der Botschaft zu erschießen.

          Debatte um Snowdens angeblichen Stil

          Viele meiner Freunde sagen, sie hätten mehr Respekt vor Snowden, wenn er die Strafe für seinen Gesetzesverstoß auf sich nähme. Ich sage: Woher kommt nur die Vorstellung, man müsse den Preis für sein prinzipientreues Handeln zahlen? Die Welt ist übervoll von Mächtigen, die überhaupt keinen Preis zahlen. Ich denke etwa an Bill Clinton; in einer seiner letzten Amtshandlungen als Präsident begnadigte er Marc Rich, der den Feinden Amerikas geholfen hatte und dessen Frau zu Clintons Großspendern gehörte. Hat Clinton dafür einen Preis gezahlt?

          Allzu viele scheinen besessen von Snowdens angeblichem Stil, statt nach dem Inhalt zu fragen. Man muss nicht gegen Verteidigung und Geheimdienste sein, um einzuräumen, dass die gegenwärtige Debatte nützlich ist.

          Personalentscheidung bei der US-Notenbank

          Respekt vor der Fed: Wenn Sie vom Mars kämen und auf die Erde fielen, würden Sie verwundert entdecken, dass ein einzelner Mann, der ernannt, aber nicht gewählt worden ist, Ben Bernanke, das Schicksal der amerikanischen Wirtschaft und der Märkte in Händen hält.

          Ökonomen jeglicher Ausrichtung scheinen die Fed zu lieben, wenn auch nicht unbedingt Bernanke. Der Chef der Notenbank, wer immer dieses Amt bekleidet, ist ihr Mann in Havanna. Jeden Tag spekulieren Zeitungen darüber, ob Obama ihn durch Larry Summers ersetzen wird. Wie Laurence Kotlikoff und Jeffrey Sachs kürzlich in der „Huffington Post“ schrieben, braucht die Fed im Augenblick am dringendsten jemanden, der die finanzielle Integrität der Märkte wiederherstellt. Es ist klar, dass Summers, der sich in der Finanzwelt auskennt, einen recht guten Kompromisskandidaten abgibt. Larry-Freunde schreiben Artikel um Artikel, in denen sie erklären, wenn wir ihn nur so gut kennen würden wie sie, würden auch wir erkennen, was für ein guter Kerl er in Wirklichkeit ist. Am Ende hängt natürlich alles von Obama ab, und wie es scheint, organisiert man gerade eine Kampagne für Larry.

          Durch einen Rippenstoß zu anderem Verhalten: „Nudge“

          Liberaler Paternalismus: Zu den Autoren, die Artikel für Summers schreiben, gehört auch Cass Sunstein, der gemeinsam mit Richard Thaler als einer der Architekten von Nudge gilt, jener modischen Methodologie, die heute zunehmend von liberalen Paternalisten geschätzt wird. (Gibt es andere?) Nudge zielt darauf ab, den Boden unter unseren Füßen so zu neigen, dass wir unbewusst tun, was in ihren Augen gut für uns ist. Der „New York Times“ zufolge gehörte Thaler zu einem „Konsortium von Verhaltensforschern“, die Obama in seinem Wahlkampf berieten, und Obama stellt angeblich gerade eine Nudge-Gruppe zusammen, die ihm bei der Durchsetzung seiner Politik helfen soll. Anhänger der Nudge-Methode schreiben die Taktik der Setzung von Anreizen der sogenannten Verhaltensökonomie zu, aber in Wirklichkeit ist es eine alte Geschichte.

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