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Der Weg zum Genie : Vom Erhabenen zum Lächerlichen

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Bild: AP

Wie kommt man zu aussagekräftigen Finanzmodellen, neuen mathematischen Theorien oder generell zu wichtigen Erkenntnissen? Der erstaunliche Rat: Sei einfach zuverlässig.

          5 Min.

          Vor zwanzig Jahren hatten ein Kollege und ich einmal eine scheinbar gute Idee für ein Finanzmodell. Wir wollten eine Computertomographie des Dax-Optionsmarkts erstellen, um herauszufinden, was er über die Zukunft dachte - das alles natürlich nur bildlich gesprochen. Bei einer wirklichen Computertomographie des Unterleibs schickt man von allen Seiten Röntgenstrahlen durch den Körper und fängt die gestreute Strahlung auf. Aus der Art der Streuung kann man dann das Innere des Körpers rekonstruieren. Wie lässt sich das auf den Dax übertragen?

          Viele Investoren und Spekulanten kaufen Dax-Optionen und gehen damit eine Wette ein, dass der deutsche Börsenindex über einen bestimmten Wert steigen oder unter einen bestimmten Wert fallen wird. Der Wert des Dax schwankt jeden Tag, und die Größe dieser Schwankungen bezeichnet man als „Volatilität“ des Dax. Da die Chancen, eine Wette auf den Dax zu gewinnen, bei höherer Volatilität größer sind, hängt der Wert der Dax-Option von der für die Zukunft erwarteten Volatilität der Kurse ab. Mein Kollege und ich dachten an eine Methode, die Vorstellungen anderer Leute hinsichtlich der zukünftigen Volatilität des Dax herauszufinden, indem wir uns die Preise aller Dax-Optionen ansahen (sie gewissermaßen aus allen Richtungen mit Röntgenstrahlen durchleuchteten) und daraus schlossen, wie die Leute die Volatilität des Dax (dessen Inneres) einschätzten.

          Gegen die Erwartungen anderer wetten

          So funktionieren die meisten Finanzmodelle. In der Physik sagen Modelle die Zukunft voraus und sind zeitlich nach vorn gerichtet. Finanzmodelle ermitteln die Zukunft, wie andere Menschen sie sich vorstellen, aus den Preisen, die andere Menschen heute für Wertpapiere zu zahlen bereit sind. Nachdem man die Vorstellungen anderer Leute ermittelt und geprüft hat, kann man, falls man sie für falsch hält, dagegenwetten, indem man Dinge kauft oder verkauft, die einen Gewinn abwerfen, falls die Erwartungen der anderen sich wirklich als falsch erweisen.

          Als ich an jenem Tag vor zwanzig Jahren mit einem Freund in der U-Bahn nach Hause fuhr, erzählte ich ihm kurz, was wir uns ausgedacht und wie wir es bewiesen hatten. Mein Freund war sehr klug und schnell. Nachdem er mir zugehört hatte, rümpfte er die Nase: „Das ist unmöglich!“, rief er. Und kurz darauf: „Nein, du hast recht. Das ist offensichtlich. In Wirklichkeit ist es vollkommen trivial.“

          Jede Entdeckung basiert auf Arbeit, Kampf und einem langen Atem

          Die vergangene Offensichtlichkeit von Dingen, die man niemals wusste, ist eine Illusion. Manche Dinge scheinen erst dann klar zu sein, wenn sie Eingang in die Lehrbücher gefunden haben und alle Vorurteile, Verwirrungen und konkurrierenden Theorien ausgeschaltet sind. Jedes Jota einer Entdeckung geht auf lange Versenkung, harte Arbeit und Kampf zurück. Das erfuhr ich höchst dramatisch vor vielen Jahren in meinem Physikstudium, als Professor Friedberg, ein etwas verrückter und unordentlicher, aber sehr gescheiter Mann, uns Einsteins Relativitätstheorie von 1905 beibrachte.

          Vor Einstein gab es zwei Gruppen von Gesetzen, die das Geschehen im Universum aus der Sicht eines irdischen Beobachters bestimmten:

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