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Mitch Winehouse über Amy : Die Korrekturen

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An ihrer Wohnungstür: Amy Winehouse, ihr Vater Mitch (links) und ihr Manager Ray Cosbert (rechts) im Juli 2009 Bild: interTOPICS

Im vergangenen Sommer starb Amy Winehouse. Jetzt bemüht sich ihr Vater um den Ruf „seines Mädchens“. Diese Version ihrer traurigen Lebensgeschichte steckt voller peinlicher Momente.

          Wenn irgendeine hinfällige, lungensüchtige Kunstreiterin in der Manege auf schwankendem Pferd vor einem unermüdlichen Publikum vom peitschenschwingenden erbarmungslosen Chef monatelang ohne Unterbrechung im Kreise rundum getrieben würde, auf dem Pferde schwirrend, Küsse werfend, in der Taille sich wiegend, und wenn dieses Spiel unter dem nichtaussetzenden Brausen des Orchesters und der Ventilatoren in die immerfort weiter sich öffnende graue Zukunft sich fortsetzte, begleitet vom vergehenden und neu anschwellenden Beifallsklatschen der Hände, die eigentlich Dampfhämmer sind - vielleicht eilte dann ein junger Galeriebesucher die lange Treppe durch alle Ränge hinab, stürzte in die Manege, riefe das: Halt! durch die Fanfaren des immer sich anpassenden Orchesters.“

          Diese Kunstreiterin aus Franz Kafkas Erzählung „Auf der Galerie“, dachte ich beim Lesen des Buches von Mitch Winehouse über seine Tochter Amy, welchen ich zu einem Interview in London treffen sollte, dieses Mädchen aus der Erzählung könnte Amy Winehouse sein, und der erbarmungslose Chef, das unermüdliche Publikum, das dampfhämmernde Beifallklatschen - das ist das durch und durch perverse Superstar-Dasein, welches den Superstar und seine Angehörigen ganz sicher zu Verrückten macht, die irgendwann selber nach den perversen Superstar-Gesetzmäßigkeiten handeln.

          Und wenn man dann dieses Superstar-Dasein beim Lesen von „Meine Tochter Amy“ Seite für Seite verfolgt, dann will man wieder und wieder das „Halt!“ rufen, was natürlich zwecklos ist.

          Eine väterliche Korrekturarbeit

          Zwecklos, weil Amy Winehouse seit fast einem Jahr tot ist und, ja, weil es eben an und für sich zwecklos ist - weswegen man also ratlos vor dem Buch sitzen bleibt. Warum hat damals niemand diesen an Geschmacklosigkeit nicht zu überbietenden Sun-News-of-the-World-Boulevard-Presse-Haufen beseitigt, der sich nicht schämte zu behaupten, Amy Winehouse sei inkontinent; der ununterbrochen ihr Haus belagerte, so dass selbst der kleinste Fehler in die Zeitung kam, und wenn es keinen gab, dann wurde von dem Presse-Haufen trotzdem einer hingeschrieben (Amy Winehouse erwartet zu Hause einen Freund, es klingelt, sie öffnet im BH, aber an der Tür war nicht der Freund, sondern ein Journalist, weswegen dann in der Zeitung stand, Amy Winehouse laufe nachts im BH durch die Öffentlichkeit); und dieser Presse-Haufen war es auch, der Menschen, die mit Amy Winehouse bekannt waren, sehr viel Geld bot, damit diese Menschen eine sogenannte Exklusiv-Geschichte verkauften, was diese nicht selten taten, und nach solchen Presse-Haufen stinkt das Buch ununterbrochen.

          Man liest also in diesem Buch und merkt: Es ist ein Korrektur-Buch. Das Korrektur-Buch des Vaters, der es sich zum Ziel gemacht hat, dass die Öffentlichkeit seine Tochter endlich auf die Weise sieht, wie er sie gesehen hat: ein liebes, wahnsinnig talentiertes Mädchen, das in einem fürsorglichen Elternhaus groß wurde, in dem viel gesungen wurde; ein Mädchen, für welches Familie und Musik das Wichtigste überhaupt waren und das von einer unermesslichen Herzensgroßzügigkeit war - und das, bedauerlicherweise, unter einer schlimmen Drogen- und Alkoholkrankheit litt, welcher er, der Vater, mit allen Mitteln beizukommen versuchte.

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