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Mitch Winehouse über Amy : Die Korrekturen

  • -Aktualisiert am
Spielt nach den Regeln der Superstar-Maschine: Mitch Winehouse vor den Houses of Parliament in London im August 2011

Alles für Amy. Auf Amy warten, die immer zu spät zu egal wie wichtigen Terminen kommt; Amy suchen, die hoffentlich nicht wieder bei ihrem drogensüchtigen Freund Blake ist; sich von der zugedröhnten Amy beschimpfen lassen und sich für die zugedröhnte Amy entschuldigen; Amy vom Boden aufheben, den Arzt rufen und sie in die Klinik bringen, wohin ihr dann Drogen geliefert werden, danach verspricht sie, nie mehr etwas zu nehmen - und dann geht das Ganze wieder von vorne los: Amy aufrichten, hinfallen sehen und wieder aufrichten, alles für Amy, denn sie „war ein wunderbares Mädchen mit einem großen Herzen. Bitte behaltet sie so in Erinnerung.“ So schließt das Buch, und darum geht es: So war sie, „mein kleines Mädchen“.

Eine öffentliche Person mit Publikumsangst

Man liest also dieses Korrektur-Buch, den streng abgefassten Gewissensbericht, der wegen seiner Kleinteiligkeit und der Aneinanderreihung von Abstürzen und Aufrichtungen mitunter sehr mühsam zu lesen ist, und will Mitch Winehouse fragen: Warum hat er, der von Beginn an die Karriere seiner Tochter begleitet hat, selber so viel mit der Presse geredet? Warum hat er sich von einem Kamerateam zu seinem Therapeuten begleiten lassen, wo er, völlig entkräftet, weinte und dabei gefilmt wurde - wenn er, wie er schreibt, wusste, dass seiner Tochter die Veröffentlichung ihres Privatlebens so unangenehm war?

Warum hat niemand Mitch Winehouse gesagt, dass „all meine Träume vom Leben meiner Tochter“ vielleicht nicht ihre sind? Denn er war der „festen Überzeugung (...), dass die Show weiter gehen muss, Amy hingegen sagte viele Shows ab“, deswegen musste Amy Winehouse dann bisweilen in den Tourbus „gelockt“ oder sonst wohin „geschafft“ werden, damit sie doch auftrat, und das trotz der Publikumsangst, unter der sie litt.

Der Öffentlichkeit waren sie gemeinsam ausgesetzt: Amy Winehouse und ihr Vater im Juli 2009 auf dem Weg zu einem Gerichtstermin in London

Ihr Vater wusste von dieser Angst und wurde, wie er schreibt, das Gefühl nicht los, „dass sie sich auf der Bühne unwohl fühlte“. Warum hat da keiner „Halt!“ gerufen, vor allem er, Mitch Winehouse, nicht? Warum hat man sie immer wieder in die Manege gestellt, wo sie, manchmal volltrunken, aus sich herausschaute wie ein gejagtes Tier. Und ist es überhaupt möglich, auch nur halbwegs zur Vernunft, oder besser: ein Stück näher zu sich zu kommen, wenn man, wie Amy Winehouse, von Sicherheitsleuten umgeben ist, „die in Schichten auf sie aufpassten“? Finden Sie das normal, Mr. Winehouse, will man fragen und denkt dann: Nein, halt, um die herum ist ja nichts mehr normal gewesen, wie sollte sich also der Vater normal verhalten, und wie soll man die übermächtige, von tausend Interessen angetriebene Superstar-Maschine anders in den Griff bekommen, als nach ihren Regeln zu spielen, das heißt: dafür sorgen, dass in der Zeitung steht, was man will; Sicherheitsleute engagieren, die die Paparazzi und Drogendealer verscheuchen und im Notfall einen Krankenwagen rufen.

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